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Irgendwo in Oklahoma – A Cowgirl’s Soul, part 1

Wir sind irgendwo in Oklahoma – auf der Suche nach dem echten Cowboy Leben. Und oh ja, wir haben es gefunden: es beginnt früh und es ist kalt, Essen gibt es, wenn Zeit ist, d.h. eher selten, und nur herzhaftes Anpacken bewahrt vor dem Kältetod. Hier, wo Cowboying nicht nur Lebensstil, sondern auch Lebensunterhalt ist, findet die Seele des Cowgirl’s endlich, wonach sie auf der Suche war: Weites Land, Rinder, Pferde und wortkarge Menschen voller Freundlichkeit. Und spät abends, wenn wir mit wunden Händen und schmerzenden Knochen zwischen den Waschbären am Feuer sitzen, kommt tatsächlich eine müde Romantik auf.  

Far too early: Trailern mit Poetry

5.30 Uhr morgens. Es ist stockdunkel. Ich stelle mit einem leisen Seufzer den leeren Kaffeebecher auf den Küchentresen, schnappe mir noch die dicken Handschuhe und die alten Chinks und öffne die Tür des Bunkhouse.

Die Novembernacht hat den ersten Frost gebracht. Ein paar hundert Meter entfernt, quer über den Hof, jenseits der Ansammlung von Pickups, Trailern und mobilen Cattle Chutes brennt in der Scheune schon Licht. Natürlich hat es Justin schon wieder vor uns geschafft, und ist mit dem Pferde füttern schon fertig. Wir beeilen uns, unsere Pferde einzusammeln und zu satteln. Schnappen uns Kopfstücke und Satteltaschen und werfen alles hinten auf den Pickup, der schon mit laufendem Motor wartet. Die Pferde klettern ohne viel Umschweife auf die offenen Trailer, Cowdog Pancho springt mit Anlauf auf die Ladefläche  und schon sind wir unterwegs. Wir holen zuerst Nachbar Kevin ab, einen „Day-Worker“, der uns heute helfen wird. Er wartet mit gesatteltem Pferd und hievt noch einen zweiten Brennofen auf die Ladefläche des Pickups. Das „Good Morning“ klingt recht mürrisch, sein Gesichtsausdruck lässt auf eine lange Nacht schließen.

Wir fahren eine scheinbar endlose Strasse in den Sonnenaufgang hinein. Aus dem Radio dudelt Country Music, unterbrochen von Cowboy Poetry. Wunderschöne und manchmal traurige Geschichten und Gedichte über den Alltag des alternden Cowboys, den Abschied des Bareback Reiters von seinem geliebten Rodeo, die Pfiffigkeit des jungen Day Workers, mit der er dem Rancher einen Job abtrotzt und gegen den ewig meckernden Cowboy Bill gewinnt. Justin erzählt uns, dass auch Nachbar Kevin ein Buch mit „Cowboy Poetry“ veröffentlicht hat. Hmm, kaum zu glauben bei unserem einsilbigen Freund. Der verspricht aber, etwas zu Besten zu geben, wenn sein Kopf wieder auf Normalmaß geschrumpft ist.

Somewhere in the Bible Belt

Wir sind irgendwo in Oklahoma, in der Nähe von Woodward. Unser Gastgeber ist Justin von der Howard Ranch. Die Ranch ist keine Guest Ranch, das Bunkhouse ein liebevoll eingerichtetes Mobile Home, in dem manchmal Justins Jagdgäste übernachten und nun wir: auf der Suche nach dem echten Cowboy Leben. Wir haben es gefunden: es beginnt früh und es ist kalt, Essen gibt es, wenn Zeit ist, d.h. eher selten, und nur herzhaftes Anpacken bewahrt vor dem Kältetod. Heute fahren wir fast 150 km bis an unseren Arbeitsort. Dies ist Ranch Land, Cowboying ist hier gewollter Lebensstil und wird täglich gelebt. Riesige Pickups überall vor den landwirtschaftlichen Märkten, kein Kerl ohne staubigen, völlig zerknitterten Hut – das muss so etwas wie ein Wettbewerb sein. Kein Haus ohne Barn und Cattle Pen. Die Tankstellen Treffpunkt zum Austausch der letzten Neuigkeiten, Kaffee im Wärmebecher geht hier nicht unter einem halben Liter raus.  Und hier gibt es definitiv mehr Kirchen als Kneipen, dies ist der Bible Belt. Die Waffe klemmt im Wagen oben hinter der Sonnenschutzblende und Obama hat hier keiner gewählt.

Cow Catching

Unser Ziel ist eine Weide in der Mitte vom Nichts. Hier wartet Justins Partner Jeff auf uns: mit Pickup und zwei gesattelten Pferden auf dem Trailer und Justins Mum als Verstärkung. Neueinteilung der Arbeitsgruppen: die eine Gruppe fährt und holt den mobilen Cattle Pen (ein unglaubliches, komplett zusammklappbares Teil, das einfach auf die Anhängerkupplung gehoben wird), die andere fährt vor und beginnt mit dem Einsammeln der Kühe und Kälber. Die „Weide“ ist ein riesiges unwegsames Gelände, mit Hügeln, Wäldern, Felder voller Dornbüschen, Sumpfgebieten und rohem Fels. Und die Rinder sind scheu und schnell. Sie sehen Pferd und Reiter kaum zweimal im Jahr.  Justin teilt den einzelnen Reitern mit großen Armbewegungen ihr „Sammelgebiet“ zu. Ich habe Mühe, den Überblick zu bewahren und mich nicht zu verirren. Einmal lande ich auf der Jagd nach zwei Mutterkühen mitten im Sumpf, der zu dieser Jahreszeit Gottseidank ziemlich trocken ist. Zu Beginn hefte ich meinen Blick auf den Boden, um das Pferd um die übelsten Löcher und blanken Felsstellen herum zu dirigieren. Dann lasse ich das: Sie stolpern eh und mit den Augen auf dem Boden finde ich meine Rinder nie. Wir laufen zu halsbrecherischer Form auf. Das Ganze ist eine sehr schnelle, hochsensible Jagd – für uns, nicht für die Rinder. Die kennen sich bestens aus und tendieren dazu, sich in Luft aufzulösen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Gegen Mittag haben wir die meisten von ihnen allerdings im inzwischen frisch entfalteten Cattle Pen zusammen getrieben. Pause für die Pferde. Ich ziehe mir heimlich ein paar Bisse von meinem Erdnussbuttersandwich rein, außer mir scheint niemand Hunger zu haben. Nun heißt es: Bye, Bye für die Kleinen. Die einzige Öffnung des Cattle Pens endet vor dem Aufstieg in einen Trailer. Durch diese schmale Gasse dürfen aber nur die Kälber, die Mamas werden durch heldenhaften Körpereinsatz der Cowboys von ihren Babys getrennt. Und wieder aus dem Pen gejagt. Sie lauern äußerst unmutig in der Nähe herum, gefangen vom Brüllen ihrer Kälber. Nur sehr zögernd wandert die ein oder andere wieder ab. Wir trailern die Babys auf eine Weide, auf der es einen festen Corral an einer Wasserstelle gibt. Laufgänge und Workchute sind schon aufgebaut. Aber bevor es blutig wird, lädt Justins Mum uns auf eine heiße Suppe und Sandwiches ein. Sie wohnt ein paar Meilen entfernt in einem Mobile Home – natürlich mit zwei Barns, Cattle Pen und einigen Pferdeunterständen. Hier steht auch ein Teil der Pferde aus Justins Quarter Horse Zucht.

From Rodeo to Ranching

Justin baut noch an seiner Existenz als Rancher. Alles, was er verdient,  fließt gleich wieder in ein neues Stück Land, neue Rinder oder den Austausch des ältesten seiner drei Pickups, der bei uns schon seit Jahren nicht mehr auf die Straße dürfte. Justin hat eine lange, erfolgreiche Karriere als Saddle Bronc Rider hinter sich. Seine Ritte kann man im National Cowboy Heritage Museum in OK City bewundern. Mit 36 war er dann definitiv zu alt für das Rodeo Geschäft. Es wäre wohl einfacher, die Knochen aufzuzählen, die er sich nicht gebrochen hat. Und das Wanderleben ohne Familie und andere Freunde als die Rodeo Cowboys hatte er irgendwie auch satt. Und das ewige Auf und Ab zwischen finanziell glücklichen Zeiten, in denen man sich die maßgeschneiderten Stiefel bestellt und den magern Zeiten, in denen man gerne den vom örtliche Friseur gesponserten Haarschnitt für die Rodeo Stars in Anspruch nimmt, um die Matte mal wieder vom Kopf zu bekommen. Aber obwohl er seine noch junge Quarter Horse Zucht und das Cowboying liebt – das Rodeo ist ein Virus, der ihn nie loslassen wird. Und so gibt er nebenbei Kids Unterricht im Reiten und Ropen – für die nächste Generation Rodeo Cowboys. Unsere Pferde sind übrigens ausgemusterte Roping Pferde, turniersauer, nicht ganz einfach zu handeln, aber willig und dankbar für die Arbeit außerhalb einer Arena. An einem Samstag werden wir zum Shopping eingeladen. Durch Baumwollfelder, Öl- und Gaspumpstationen fahren wir – über die Vor- und Nachteile von Silage und Alfalfa Fütterung fachsimpelnd – mal so eben 450 km nach Amarillo, Texas, wo neben dem Rodeo eine riesige Verkaufsshow stattfindet. Und die gesamte Mannschaft nach drei Stunden schwankend unter Packen von Chinks, Batwings, Kopfstücken und Lederbearbeitungswerkzeug glücklich durch die Nacht nach Hause rollt. Im Radio natürlich Country Music. Bleiben vier Stunden Schlaf bis zum nächsten Morgen. Am Sonntag werden die Kühe erst um 7.00 Uhr gefüttert.

Welcome to real life

„Let’s get started“…Es wird früh dunkel und da warten 75 Kälber auf  ihren Eintritt ins Erwachsenenleben. Also hastig das letzte Sandwich herunter geschlungen und zurück auf die Weide, wo unsere Ranchhorses völlig friedlich nebeneinander an den Zügeln lose am Trailer angebunden auf uns warten. Kein Gezerre, keine Keilerei zwischen fremden Pferden, keine aufgescharrte Erde… Ranchhorses eben…

Während ich die Pferde alle zur Wasserstelle führe, bringt Justin den Brennofen in Gang. Die Branding Eisen werden ins Feuer gelegt. Jeff packt aus, was sonst gebraucht wird. Jedes weibliche Kalb wird geimpft, bekommt eine Aufbaukur, sein Ear-Tag mit Nummer, als unveränderliche Markierung ein Dreieck aus dem Ohr gestanzt und erhält seinen JH oder JB Brand. Die Älteren werden enthornt. Die männlichen Kälber außerdem kastriert. Hört sich nach einer traumatischen Erfahrung an. Geht aber so schnell, dass die Kleinen gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Jeff und Justin schwingen sich auf ihre Pferde. Kevin, wir und die Cowdogs suchen zunächst die Kleinsten aus der Herde und treiben die durch einen schmalen Gang aus Paneln durch die offene Work Chute in den Corral. Die Kleinen werden geropt: Head and Heal – am Kopf und am Hinterbein. Die Pferde bleiben stocksteif stehen und halten die Ropes auf Spannung, die Reiter und der Rest der Mannschaft kümmern sich um das verdutzte Minirind. Jeff impft, gibt die Aufbauspritze, setzt die Ohrmarken, Justin kastriert, wir halten den Schwanz aus dem Weg, holen das Eisen aus dem Feuer und bringen den Brand an der richtigen Stelle an. Aufregung das erste Mal, auch das zweite Mal. Beim achten Rind das erste Gefühl von Fließbandarbeit. Die größeren Kälber werden in die Work Chute getrieben und durchlaufen die gleiche Prozedur. Hörner werden gekappt. Nicht immer geht das unblutig ab. Die durchtrennte Arterie besprüht alles in 3 Meter Umkreis mit einem feinen Schauer an Blutstropfen, bis sie mit dem Brenneisen wieder versiegelt ist. Justin benutzt zum Kastrieren steril verpackte Skalpelle, die müssen aber für ein paar mehr Kälber reichen. Blutbespritzt vom Hörner kappen und mit dem blutigen Skalpell zwischen den Zähnen sieht er aus wie aus einem Trash Horror Film – außer, dass die Sonne vom blauen Himmel strahlt. Meine dezenten Versuche, den Männern am späten Abend vor dem Besuch des Restaurants wenigstens ein feuchtes Tuch anzubieten, um das Gesicht abzuwischen, stoßen auf Unverständnis. Wir schaffen die letzten paar Rinder, als es fast schon dunkel ist. Nach Sonnenuntergang ist es bitterkalt. Mit einem mitleidigen Blick auf uns, beschließt man, den Transport des mobilen Cattle Pens auf den nächsten Tag zu verschieben. Normalerweise wäre das kein Thema gewesen. Nur noch anderthalb Stunden…Die brauchen wir auch noch, um nach Hause zu fahren. Als wir bei Charly einfallen, einer Kneipe mit einer Frontausstrahlung, die wir allein nicht zu betreten gewagt hätten, haben wir keine rechte Freude mehr an den Steaks, die weit über den Tellerrand hinaus ragen. Was hätte ich für einen doppelten Whiskey gegeben. Aber 0,1 Prozent Bier ist das Üppigste, was die Kneipen im Bible Belt hergeben. Gesoffen wird daheim. Aber selbst dafür bleibt meistens keine Zeit. Real, real work – nix für Möchtegern-Cowboys.

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