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Omas Puddingsuppe oder das kleine Glück

Gibt es ein Recht auf Glück? Vielleicht. Aber wohl keine Garantie. Es kommt, durchglüht einen – und es geht.  Und hinterlässt einen fassungslos und/oder dankbar, es gehabt zu haben. Nie fühlt sich Glück so gut an wie in seiner Abwesenheit.  Da gibt es Menschen, die glauben, dass das Glück einem zufällt. Schicksal halt. Und Leute, die fest glauben, dass man daran arbeiten kann und sollte: es zu erringen und es festzuhalten. Ich weiß es nicht. Sicher bin ich, dass man es zulassen muss, dass das Glück einen findet. Und dass man zulassen muss, dass es bleibt.

Was man immer für sich tun kann, ist ab und zu für das kleine Glück zu sorgen. Was das kleine Glück ist?

GlückJeder hat das kleine Glück. Man besitzt es. Kann es festhalten, sich daran erinnern und es in manchen Fällen sogar immer wieder hervor holen. Es birgt Wärme, treibt einem die Tränen in die Augen, vertreibt die kalte Leere und macht Mut. Was es ist, das weiß nur jeder selbst. Es ist eigentlich ganz leicht zu finden. Man muss nur mal ein wenig in sich gehen.

 

Hier kommen meine augenblicklichen Top Five des kleinen Glücks – keine Reihenfolge, keine Wertigkeit, ggf. nach Verfügbarkeit 😉 …

  1. Omas Puddingsuppe

Wenn wir als Kinder unglücklich waren, nicht weiter wussten, nicht schlafen konnten, dann kochte Oma eine Puddingsuppe. Eine heiße dicke Vanille Pudding Suppe mit Extra Zimt und Zucker obendrauf. Es ist völlig ausgeschlossen mit zwei Tellern dieser Suppe im Bauch unglücklich zu sein. Zumindest wird das Unglück definitiv auf später verschoben.

  1. Am Meer sein

Welle13Am liebsten, wenn es kalt ist und stürmt. Den Rhythmus der Wellen in sich aufnehmen, geblendet vom Glitzern des Lichts die Augen schließen, Demut vor etwas Ewigem, Altem, Gleichmütigem empfinden, das dir sagt, wie winzig dein Unglück ist und welch Glück es bedeutet, ein Teil von all dem hier zu sein. Und endlich die eine Muschel zu finden…

  1. Mit einem schnarchenden Hund im Bett schlafen

Hunde schlafen tiefenentspannt. Voller Vertrauen. Warm.  Träumend. Sanft atmend. Sich streckend. Schnaufend. Und plötzlich erinnerst du dich wieder, wie die Welt sich anfühlt, wenn alles richtig ist. Dass wir uns nicht missverstehen: Hunde gehören ins Hundebett. Nur halt manchmal: für das kleine Glück, wenn man es braucht.

  1. Mary Hopkins – Those Were The Days

https://www.youtube.com/watch?v=y3KEhWTnWvE. Das war, als all die aufregenden, guten Dinge passierten.  Ich hab’s gehabt. Das gehört mir. War einfach genial.  Erinnern macht glücklich.

  1. Ein schottischer Island Malt

Gerne ein Laphroig oder ein Talisker. Sonne von innen. Vor den inneren Augen das tosende Meer und die schroffe Küste, auf der Zunge und in der Nase den Geschmack und Geruch von Salz und Torf. Eine ganze Welt voller Geschichten von Feen und Kobolden. Voller Mythen und Sehnsüchten und Kämpfern und Träumern. Ein Glas nur – das ist  voll die Kleinglückdroge.

Und was ist euer kleines Glück?

 

Hommage an die Knirpse

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In Hanau an der Kinzig hinter den Sportstätten…

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Die Zeit der Wunder

Die Zeit der Wunder
ist vorbei, sagst du.
Vernunft regiert.

Brunnen2
Und doch: ich gehe
durch ein grünes Land.
Die Ufer unerschlossen,
die Tiefen unerforscht.
Kein Weg, außer dem,
den ich gehen will.
Gefahr? Bedrohung?
Ich bin der Weg.
Und ich bin nicht verschieden
von dem Grün.
Dieses Land endet,
wenn ich aufhöre zu gehen.
Dieser Weg führt dorthin,
wohin ich gehen will.
Denn hier:
regiert die Sehnsucht.

Zerbrechlich…

Stormbird

Zerbrechlich –
und doch
erlebt der Vogel
im Sturm seinen Höhenflug

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A9

Heimliche Leidenschaften…

…ungewohnt ist es…nein, nicht, dass ich über Leidenschaften schreibe…, sehr wohl aber, dass ich mich ausnahmsweise mal in die Kategorie „Kochrezepte“ verirre. Das hat aber halt etwas mit einer Leidenschaft zu tun.

Nuuusssig

 

Für alle, die auf Nuss so überhaupt nicht verzichten können – wie ich – und die  die leckeren, knackigen Teile nicht erst auf dem Nikolausteller finden wollen, kommen hier ganz spontan ein paar – getestete!! – frische nussige  Ideen passend zum Sommer.

Quark Haselnuss Dip mit Rucola
Toll zum Grillgemüse oder Grillfleisch, ein Gedicht mit neuen Kartoffeln.

Jeder Quark geht – von 0,2% Quarkcreme bis Sahnequark.
Quark mit fein gehackten Haselnüssen (frisch selber hacken, keine gemahlenen, geht prima im Zwiebelhacker) und grob geschnittenen/gehackten Rucola Blätter (damit nicht geizen) und etwas geröstetem Sesamöl, alternativ Walnuss -oder Haselnussöl verrühren und sofort servieren.

Leichter Eiersalat mit Sesam
Eier hart kochen und so groß/klein hacken, wie es beliebt.
In einer Schüssel Joghurt, Schmand, Salz, Pfeffer, eine Prise Zucker verrühren.
Jetzt etwas geröstetes Sesamöl, frisch geröstete Sesamkerne und reichlich Gartenschnittlauch dazu und unterrühren.
Lecker: einfach ein Stück geröstetes Graubrot dazu, darf auch Nussbrot sein :-).

Guten Appetit aus meiner Kuschelküche!

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Kommt mir nur hin und wieder in den Sinn…

…schon wieder eine Mohnblüte. Davon gibt es tausende toller, cooler Fotos. Und nun noch welche. Entschuldigung. Ich kann an ihnen einfach nicht vorbeigehen. Jedes Jahr wieder finde ich sie so völlig überraschend. Unglaublich. Wie kann es so etwas geben. Diese Blüte ist so völlig unblumig. So ein Rot kann gar nicht natürlich sein, es muss dem Malkasten eines wilden Malers entsprungen sein. Und das Grün dazu! So grell, unharmonisch ein Rot-Grün Kontrast der „Schau mich an – und zwar sofort“ schreit. Und die Textur. Wie kann etwas lebendig sein, das so vorzeitig gealtert, zerknittert, erschöpft, so ungeheuer fragil aussieht. Zitternd in jedem Windhauch. Anziehend. Ehrfurcht einflößend. Wer mag schon eine Mohnblüte knicken? Eine Laune der Natur?
Als ich das erste Mal live ein Zebra und eine Giraffe sah, so richtig mit bebenden Flanken , zitternden Nüstern und Geruch – da dachte ich auch: das kann es gar nicht geben. Klar, Camouflage im Gras und lange Hälse für hohe Bäume – aber das hätte man rein funktional doch wohl auch anders lösen können. Und seit ein paar Wochen schaue ich durch mein Makro Objektiv und entdecke eine völlig neue Welt der bebend, zarten vielfarbigen Flügel und Panzer. Fantastische Konstruktionen mit undenkbar vielen Variationen von Beinen, Köpfen, Rüsseln, Stacheln. Bedrohlich und berückend schön. Und wie damals in Afrika denke ich: da muss es also doch jemanden geben. Irgendeinen wilden Maler eben. Einen genialen Kreateur. Einen durchgeknallten, überkreativen, völlig gelangweilten Spinner, der Abermillionen Jahre damit verbracht hat, das alles zu erfinden. Und ganz zum Schluss hat dann noch uns auf die Schiene gesetzt. Und sich gleich seine eigenen Follower erschaffen. So Typen wie mich: die nach 60 Jahren immer noch mit offenem Mund vor einer Mohnblüte stehen. Natürlich glaube ich die Geschichte nicht. Kommt mir nur hin und wieder in den Sinn.
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Weihnachten bizarr…

„Och bitte“, quengele ich, „nur einmal… Is doch bald Weihnachten… Wir müssen ja nicht auf son großen“ …. Ich habe die beste Version meiner „ist das nicht romantisch“ Stimme aufgesetzt. Und rede natürlich vom Weihnachtsmarkt. „Neee“, stöhnt der meine, „das is doch immer das Gleiche.. und überhaupt haben wir noch nichts gegessen“…  „Siehst du“, kontere ich, „das letzte Mal gab es diese leckere Wildbratwurst“. Er verdreht die Augen: „Ich meinte richtiges Essen“.  „Ach komm schon, nur ganz kurz..“ Er stellt auf Audio um und quält sich unter tiefen, zu Herzen gehenden Seufzern in Schuhe und Jacke. Glücklich lächelnd öffne ich die Haustür. Er bleibt abrupt stehen: „Es regnet“, vermeldet er ungläubig. „Na so was. Dann lassen wir die Hunde eben daheim. Die müssen nicht mit“. Er schaut mich an, als wäre ich gerade irgendwo verbotenerweise entflohen, dann überzieht sein Gesicht ein Ausdruck tiefer Hoffnungslosigkeit.

Der Regen legt munter zu, während wir das vierte Mal um die kleine Altstadt kreisen. Klar, hier sind seit Stunden keine Parkplätze zu finden.  Als wir nach 30 Minuten ca. 20 Minuten vom Marktplatz entfernt auf dem Parkplatz eines Restaurants landen vor dem ein Schild verkündet:  Hier nicht parken. Wir renovieren. Wiedereröffnung August 2012  (so ist das mit den Plänen), tröpfelt es zum Glück nur noch. Ein straffer Marsch bringt uns bald in Kontakt mit einer abwandernden Menschenmenge. „Du, das ist bestimmt gerade zu Ende“ – hoffnungsfroh. „Ach was, doch nicht um diese Uhrzeit, die hat nur der Regen vertrieben.“  Zu Recht.

Wir fallen über den Kabelstrang des Kinderkarussells, das sich mit Pferden, Delfinen und Elefanten zu „Stille Nacht, heilige Nacht“ dreht. Zwei verfröstelte kleine Gestalten klammern sich mit Entsetzen im Gesicht an die Stange der Prinzessinnenkutsche. „Haltet euch gut fest“, der junge Vater versucht Schritt zu halten und – Überraschung – stolpert über das Kabel und schlägt lang hin.  „O Gott, Günther“, Prinzessinnenmama bekommt die Panik und die Prinzessinnen sind für den Augenblick auf sich allein gestellt. Der dicke 8-Jährige mit Weihnachtsmannmütze hat sich das Pferd vorgenommen. „Sti-i-ill-ee – Yippeee, hei-ei-lige – Yippeee“, tönt es, während er an der Stange zerrt und versucht, das Pferd aus der Verankerung zu reißen.  Wir tauchen nun tief ein in den wohlbekannten Duft- Mix aus gebratenen Champignons, Nierenspießen, Bienenwachskerzen und selbstgemachten Seifen. Heimelig. Wie schön, sie alle wiederzusehen. Den mit der in den Nacken gerutschten Pudelmütze, der sich gerade noch am Stehtisch aufrecht hält, die überschminkten 16-Jährigen am Stand der Freiwilligen Feuerwehr, den händeschüttelnden Bürgermeister, der nebenbei mit Friseurmeister Bommers Gemahlin schäkert…

Die handgemalten Poster – durch über 100% Luftfeuchtigkeit nicht mehr ganz so gut entzifferbar- verkünden den Chor der Marta-Lindenfels-Schule für 17.00 Uhr und ein Bläser Solo für 17.30 Uhr. Noch Zeit… Wir wandern an der noch leeren Bühne und den mit Engelhaar geschmückten Brunnenputten vorbei  dorfauswärts.  Ahh, endlich. Der Stand mit dem Keltenschmuck und den Drachen- und Engelsfiguren. Gipsi Figuri, nannte mein Vater sie immer. Aus welchem Material sie heutzutage sein mögen – unzerbrechlich sind sie nicht. Das geht zumindest aus den Verhandlungen hervor, die die Mutter des ungelenken Unglücksrabenkindes mit der Besitzerin des Standes über den Wert des abgebrochenen Drachenohres eines mittelgroßen albern lächelnden Drachens in kackdrachengrün führt. Nun haben sie zu Weihnachten einen schmutzgrünen Drachen ohne Ohr. Unter den Baum kommt der bestimmt nicht.

Am Marktende, kurz vor dem Busbahnhof vor der Martha-Lindenfels-Schule eine Neuerung:. Mehrere Textilhändler mit Migrationshintergrund. „Guck mal,  Mami“, ruft der Teenager, „die waren auch auf dem Parkplatz vom Möbelhaus letzten Sonntag“. Recht hat sie. Ich kann es bezeugen. Dieselben Plastiksporthosen, die Vintage-Rüschenblusen, markige Sweater, deren Nähte Fäden ziehen… Die Kleine kaut unzufrieden auf ihrer Unterlippe: „Die haben ja gar nichts in Pink“. Haben sie nicht. Recht hat sie. „Und die Mützen kratzen“. Recht hat sie auch am nächsten Stand.

Es krächzt aus der Ferne aus den rund um den Marktplatz aufgehängten Lautsprechern. Auf zu neuen Attraktionen.  Als wir uns durch die Menge schieben, die ihre iPhones reckt wie bei einem Popkonzert, entdecken wir einen Haufen Zwerge in unförmigen Daunenjacken und mit Mütze, die mühsam die offene Treppe zur Bühne erklimmen. Nach minutenlangem Gewusel schälen sich zwei Reihen aufgeregter Gesichter heraus, die von mutig über trotzig bis panisch auf uns herunterstarren. Mit Getöse versuchen einige Erwachsenen die bereits angestellten Mikrofone auf Zwergenhöhe nieder zu machen.  Der Lautsprecher neben der Bühne explodiert geradezu mit einem kakophonischen Mix aus zwitschernden Zwergenorganen und Techniksound. Die Menge weicht erschrocken zurück. Einige iPhones verlieren an Höhe. Nun erklimmt eine große Zwergin mit Riesen- Uggs die Treppe zur Bühne, echt trollmäßig. Sie baut sich vor der Zwergentruppe auf und hebt die Hände. Das hätte sie nicht tun sollen. Die Spannung kann auf den echten Einsatz nicht länger warten…“ Sti-hi-lle Naaach.. Quietsch, sterb….Brabbel… „Mann jetzt doch noch nicht, du Pups“ tönt es aus den Lautsprechern, als die Dicke in der Mitte dem kopfkleineren Jungen neben ihr anständig eine langt. Hat sie wirklich Pups gesagt? Sagt man das noch? Wahrscheinlich hab ich mich verhört und sie meinte Pu..??, Pu..?, Pumuckl????? Mir fällt kein Vorname ein. Inzwischen haben sich nach 4 bis  7 Takten Verzweiflung die Stärksten durchgesetzt und wir sind bei  „einsam wacht“ angekommen. Wir beschließen auf das Bläser Solo zu verzichten.

Schweigend durch Pfützen stampfend kehren wir zu unserem Auto und dem unrenovierten Restaurant zurück. Schön war’s. Wie jedes Jahr. War es das? Im warmen Gebläse der Autoheizung langsam trocknend überlege ich mir ganz kurz, ob ich nicht den Vorschlag machen sollte, noch mal eben in den Kunsthandwerkermarkt im Dorfgemeinschaftshaus reinzuschauen… Ein Blick auf das finstere Profil neben mir belehrt mich eines Besseren. Und irgendwie fühle ich mich auch schuldig. Also lade ich ihn lieber zum Essen ein. In ein Restaurant, das seine Renovierungspläne eingehalten hat, mit einem luxuriösen Parkplatz vor der Tür und äußerst dezenter Weihnachtsmusik ganz im Hintergrund. Hier ist der Wein kühl und trocken und die Entenbrust sorgsam vom Bratfett befreit, bevor sie großzügig auf dem frischen Salat verteilt und mit einem Hauch von Balsamico geschmacksverstärkt wurde. Die Weihnachtsdeko besteht aus einer einzigen weißen Kerze mit roter Schleife und einem Mini Tannenzweig. Wir schieben das Arrangement sanft aus dem Blickfeld. Aber nicht zu weit.

So mag ich die Weihnachtsidee:  als Hinweis, als Möglichkeit, als Anstoß. Jedem die Freiheit lassend, dass daraus zu machen, was er in seinem Kopf und seinem Herzen dazu findet. Vielleicht jedes Jahr etwas anderes.  Die nächsten Jahre hat Weihnachtsmarkt bei mir Pause.

Nebeneinander…

Du willst ein Haus.
Und ich will ein Haus.
Wir sollten sie nebeneinander bauen.
Das würde uns das Leiden ersparen, Geliebter,
unter einem Dach mit uns zu wohnen.

Das letzte Rosenblatt…

Herbstmorgen

Als wären alle Lieder schon gesungen
und alle Klagen längst geklagt,
fasst er dich sanft an mit Vergänglichkeit.

Ein grauer Wind weht aus dem Nichts,
durchkämmt mit harten Fingern Laub nach Tod
und schickt ein Weinen durch das Tannenholz.

Der Traum von Eiskristall und Pfefferkuchen
erstickt in dumpfem Dunst von altem Obst.
Verdreht, zerfetzt der Klang von Kirchenglocken,
die Hoffnung fordern von den Geistern,
die zu müde sind.

Auf meiner Hand zergeht wie dunkelroter Samt
das letzte Rosenblatt.

Vergessene Grenzen

Zäune, die eher einladen als aussperren. Vergessene Grenzen, von denen niemand mehr weiß, was sie einst festhalten oder schützen sollten.  Sie laden geradezu zum Überschreiten ein.

Zurückerobert von ihrer Umgebung  legen Sie dennoch Zeugnis ab von dem Bemühen, die Dinge im Zaum zu halten.

Sie sind wie die unsichtbaren Grenzen in unseren Köpfen, die uns oft hindern, wir selbst zu werden.  Einst errichtet, um uns vor der Gefahr zu schützen, der wir nicht schadlos begegnen konnten.

Zäune, aufgebaut wie Korsettstangen, um uns einen Halt zu geben in schwierigen Zeiten, in denen wir schwankend waren. Linien, die nicht überschritten werden wollten, weil dahinter das Unbekannte lauerte. Schranken, errichtet von anderen, die für uns unser Territorium abgesteckt hatten.

Aber ist die Gefahr nicht lange gebannt? Sind wir nicht stärker geworden? Das Gespenst, das uns erschreckte, nicht längst als Schabernack erkannt? Können wir heute nicht aufrecht stehen ohne das Gerüst aus Regeln, das wir einst brauchten?

Sind wir nicht frei, Grenzen zu überschreiten, weil das Unbekannte uns bereichert statt uns zu gefährden? Wird es nicht Zeit, die Zäune in unserem Kopf einzureißen, deren Fundamente sowieso lange brüchig sind?

Sollten wir nicht zulassen, dass wir berührt werden, ohne die Angst verletzt zu werden? Die Schranken öffnen? Das Muster der Gitterstäbe aus unserer Netzhaut löschen und erkennen, welche Möglichkeiten auf der anderen Seite des Zaunes warten?

Manchmal braucht es nur einen Tritt gegen den morschen Pfahl, einen Stoß, der das alte Tor aus den Angeln hebt. Manchmal bedeutet es einen Griff mit bloßer Hand in den Stacheldraht. Ist es das wert?

Was immer wir finden, es kann niemals eine Enttäuschung sein. Denn die Grenzen in uns, sind die einzigen, die wir immer überschreiten können, und immer wieder. Welche Zäune und Schranken unser Leben auch sonst bestimmen.

Welt – frisch gewaschen…

Ok, die Gummistiefel zu den kurzen Hosen werden nicht der Modetipp des Tages, aber außer uns war kaum einer da draußen, dem wir damit hätten den Tag verderben können. Denn es tropfte aus den Bäumen und das Tageslicht dachte auch noch mal drüber nach. Aber meine zwei Zottel und ich waren auf Entdeckungsreise. Und die Welt war frisch gewaschen und roch so gut…

Paper Poppy – Die Schönheit der Vergänglichkeit

Schönheit ist vergänglich. Je flüchtiger sie ist, desto mehr scheint sie es uns wert, sie in irgendeiner Form zu konservieren – sie zu zeichnen, zu beschreiben, zu fotografieren…

Vielleicht ist es die schnelle Vergänglichkeit, die den Klatschmohn so faszinierend macht. Wer sich an ihm vergreift, ihn pflückt, muss erleben, wie er innerhalb kürzester Zeit vergeht. Statt zu verwelken, zerfällt er fast zu einem Nichts. Selbst am Stängel reagiert er auf Wärme und Licht überempfindlich, seine Lebensdauer so kurz, dass die prachtvolle Blüte aus dem Morgenlicht schon im Abendschatten vergangen ist.

Mythologisch steht dann auch der Klatschmohn oft für Verletzlichkeit; Empfindlichkeit und im positiven Sinne für Sensibilität.

Seine Fähigkeit auf viele Arten seine Samen in großer Menge zu verteilen mag zu seiner Bedeutung als Fruchtbarkeitssymbol beigetragen haben. Sein extremes Rot steht für Herzensstärke und Wärme.

Seine Bedeutung als Trostspender mag allerdings auf eine Verwechslung mit seinem Bruder, dem Schlafmohn, zurückzuführen sein.

Meine Fotos sind bearbeitet mit dem Ziel, die Eigenart der Blütenblätter, die wie knittriges Papier erscheinen, herauszustellen. Und so die Flüchtigkeit der zarten Schönheit des Klatschmohns noch weiter zu betonen.

Uups, ich und Technik – ein Ausflug…

Das war ein toller Abend… als Jürgen und ich nächtens nach der Pizza in seiner Werkstatt landeten.  Jürgen ist Fan von Großmodellfliegern und bastelt eine Menge selbst daran herum. Ehrfürchtig lauschte ich seinen Ausführungen über Zylinder, Propellernaben und Vergaser. Und auch meine Kamera fand Freude an dem Ambiente. Aber bitte, bitte nicht fragen, was ich da fotografiert habe…

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Sehnsucht – bittersüß?

„Sehnsucht“ tippe ich in die SMS, die ich mittags an meinen Geliebten schicke. Warum? Weil es sich genau so anfühlt.  Genau so? Wie was? Habe ich ein akutes Bedürfnis nach seiner Nähe? Seiner Stimme?  Seiner Berührung?  Hmm, das alles wäre gerade im Moment eigentlich nicht so passend. Dennoch ist es da: dieses ziehende, zerrende, süße, leicht ins Schmerzliche gehende Gefühl… Sehnsucht eben… In diesem Fall ein schönes Gefühl, aber ist Sehnsucht immer schön? Bittersüß?

Nachschlagen! Aber irgendwie helfen auch die großen Philosophen nicht weiter. Und auch nicht Wikipedia. Niemand definiert zum Beispiel endgültig, ob man sich nach etwas sehnen kann, das man überhaupt nicht kennt.  Habt ihr euch schon mal nach etwas Unbekanntem gesehnt?

Da gibt es die „Todessehnsucht“. Ganz offensichtlich eine Sehnsucht nach etwas Unbekanntem. Aber wenn ihr mal ganz genau überlegt – sind es nicht meist Sehnsüchte nach Dingen, Menschen, Ereignissen, die man einmal hatte oder kannte  oder erlebte?  Und auch die romantisch beschworene Sehnsucht nach der Geliebten, die es noch nicht ist – ist das nicht eher ein Wunsch, basierend auf der Sehnsucht nach der bereits bekannten Nähe, hinter der man sich endloses Potenzial erträumt?

Wenn Sehnsucht und Wunsch sich also unterscheiden, vielleicht in dem Bittersüßen, wie profan kann Sehnsucht dann überhaupt sein? Kann man sich z.B. nach einem Urlaub am Strand sehnen? Oder nach einem neuen Outfit in bleu oder Turnschuhen mit Blümchen? Gibt es große und kleine Sehnsüchte?

Und wie unterscheiden sich dann Bedürfnisse und Sehnsüchte? Kann  man sich nach Grundbedürfnissen sehnen, die – lt. Maslowscher Pyramide – z.B. auch Geborgenheit und Anerkennung umfassen? Kann man sich nach Anerkennung sehnen, wenn man sie nie empfangen hat? Das wäre dann doch wieder eine Sehnsucht nach dem Unbekannten. Wenn ich mich heute ab und zu nach Geborgenheit sehne, so kann ich das, weil ich sie kenne.  Ich wurde in einer tollen Familie groß.  Heute lebe ich allein. Momente der Geborgenheit empfinde ich selten.  Und deshalb sehne ich mich ab und zu danach. An wen ich die Sehnsuchts-SMS schickte? Nun, an jemanden, der unser Beisammensein neulich zutreffend als Verhältnis und nicht als Beziehung beschrieb. Es war wohl mehr um des Bittersüßen willens. Eine kleine Sehnsucht sozusagen?

Warum setzen wir uns nicht fünf Minuten hin und finden heraus, nach was wir uns wirklich sehnen. Und sortieren dabei aus, was ein Wunsch oder vielleicht ein Grundbedürfnis ist. Und dann finden wir vielleicht  heraus, wie sich das wirklich anfühlt und was das ist – die Sehnsucht. Schauen wir mal…

Einmal noch im meinem biblischen Alter mit meinem Pferd im großen Sport erfolgreich sein… Eindeutig ein Wunsch. Oder ein Ziel. Auf keinen Fall Sehnsucht.

Nach Hause kommen. Kennt ihr das? Da hat man endlich drei Wochen Urlaub und so am Ende der zweiten Woche fängt irgendwas an, an uns zu zupfen. Wir wollen „nach Haus“. Dann stellt man sich diesen Augenblick vor, in dem man die Tür aufschließt und alles wieder in Besitz nimmt. Die Augenfreuen sich über das Lieblingsbild und Hände streichen heimlich über das schöne Holz des Küchentresens. Ein Grundbedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit? Ja, vielleicht auch, aber da ist mehr dran. Ich finde, eine kleine Sehnsucht.

Afrika! Mit Afrika meine ich natürlich nicht diesen ganzen wirren Kontinent, sondern „mein Afrika“. Das liegt irgendwo in der Einsamkeit zwischen dem mondbeschienenen Rand eines Kraters mitten im Massailand, dem Fundort von Leakeys homo erectus, dem Flussufer des schimmernden Sambesis, wo Nyaminyami darüber wacht, dass der Elefantenbulle das Küchenzelt nicht völlig zertrampelt und den Schiffswracks an der Skeleton Coast. Ich finde, es ist eine Sehnsucht, wenn der Einstiegssatz des Films „Jenseits von Afrika“! mir unweigerlich die Tränen in die Augen treibt: Ich hatte eine Farm in Afrika… Selbst der Tonfall des Synchronsprechers ist pure Sehnsucht. Ich kann mein Afrika riechen und es auf der Zunge schmecken. Wie toll… Eindeutig eine Sehnsucht. Bittersüß.

Ich vermisse dich, mein Bruder. Da gab es diesen einen Menschen. Dem man so nahe war. Mit dem so vieles im Leben geteilt hat. Der dich so verstanden hat wie kein anderer. Ein Bruder, ein Geliebter, ein Freund…  Den Kontakt verloren. Immer wussten wir, dass er da war. Wir konnten ihn spüren. In uns. Als ein Teil unserer Lebenskraft. Nun ist er gegangen. Still. Ohne sich zu verabschieden. Jetzt ist da nur Leere. Ihn noch einmal ansehen dürfen, sein Gesicht in den Händen halten… Sehnsucht? Nein. Bedauern. Trauer. Nicht nur mein Kopf, auch mein Herz hat verstanden, dass dies unwiederbringlich ist. Keine Sehnsucht. Ein Gefühl der Dankbarkeit, dass ich dies erleben durfte. Aber auch bittersüß.

Hier ist noch eine Sehnsucht. „Ein Sehnen, das sich niemals stillt…“ Ein wundervolles Sehnen.  Dem wir uns hingeben sollten.  Und ein Kniefall vor diesem Dichter, dem es gegeben war, die Worte so zu setzen, dass wir sie fühlen.

Ich lieb ein pulsierendes Leben,
das prickelt und schwellet und quillt,
ein ewiges Senken und Heben,
ein Sehnen, das niemals sich stillt.

Ein stetiges Wogen und Wagen
auf schwanker, gefährlicher Bahn,
von den Wellen des Glückes getragen
im leichten, gebrechlichen Kahn …

Und senkt einst die Göttin die Waage,
zerreißt sie, was mild sie gewebt, –
ich schließe die Augen und sage:
Ich habe geliebt und gelebt!

Rainer Maria Rilke, Prag um 1894

Eine Liebe, eine Sehnsucht, eine Liebe?

Nach dem Sturm…

Die Nacht ist vorbei. Wir haben sie überstanden. Das Gewitter ist weitergezogen. Der Herzschlag meines kleinen Hundes hat sich beruhigt. Aber sein Schlaf ist noch aufmerksam flach. Als ich einen Fuß aus dem Bett schwinge, sieht er gleich auf. Der Donner hat das Haus in seinen Mauern erschüttert. Gewaltig war er. Die Wassermassen aus Monstertropfen, die ziegelspaltend auf unser Dach niedergingen und gegen unsere Fenster wüteten,  haben wir erfolgreich ausgesperrt. Alles ist trocken.  Die Regentonne ist voll. So soll es sein.

Draußen ist es grau. Und seltsam still. Keine einzige Vogelstimme. Sitzen sie alle noch aufgeplustert trocknend stumm in ihren Nachtzweigen, erschüttert von den Lichtschwertern, die den Himmel teilten? Seht doch ihr Lieben, er ist noch ganz. Kein sehr freundliches Zuhause heute Morgen dieser Himmel, aber er ist noch da. „Zirp“ und noch eines, ganz vorsichtig „Zirp“ – klingt elend.

Meine Migräne ist mit dem Gewitter gegangen. Der Schmerz hallt nach, will nicht vergessen werden. Ein Morgen, der eher nach einer Tasse Kakao schreit als nach einem Kaffee. Kein Anreiz da draußen, um so richtig wach zu werden. Das einsame Auto, das sich mit Licht die Straße zum Dorf hinunter schlängelt sieht nach „ich trau mich“ aus. Ich stelle mir kurz vor, das Gewitter hätte alle Menschen aus diesem Dorf mit sich genommen. Nur ich bin noch hier. In die Bestürzung bei diesem Gedanken mischt sich ein vorlautes, glucksendes „alles meins“. Ach du lieber Himmel…

Ein Morgen um zu schreiben, das Leben aus den Tasten zu erwecken. Es scheint Hilfe zu brauchen.

Nebeneinander

Du willst ein Haus.

Und ich will ein Haus.

Wir sollten sie nebeneinander bauen.

Das würde uns das Leiden ersparen, Geliebter,

unter einem Dach mit uns zu wohnen.

Die Nacht ist hell. Die rennenden Hunde verschmelzen mit ihren langen Schatten mit der endlosen Bewegung der Welt. Alles ist ununterbrochen unterwegs. Alles verändert sich ständig, fließt, unaufhaltsam. Es gibt keinen Ort, an dem wir ankommen und für immer geborgen und sicher sind. So fest wir die Mauern unseres Hauses bauen und die Fenster verschließen – dann ereilt uns das Unheil von innen, aus uns selbst heraus. Die Welt ist ein gefährlicher, faszinierender Ort. Nur wer sich mit ihr bewegt, verhindert für eine kleine Weile, dass diese teilnahmslose, barmherzig-unbarmherzige Welle ihn überrollt.

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