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Pferde

Funkenstiebend weiter…

…das Jahr geht, ein neues beginnt.. lasst uns feiern, dass wir dabei sind…

Weih 2015 NRHA

(Quarter Horse Stute bei einem Sliding Stop)

A Passion Pinboard…

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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

Zoe und Snoopy

Zoe und Mäxchen

Irgendwo in Oklahoma – A Cowgirl’s Soul, part 1

Wir sind irgendwo in Oklahoma – auf der Suche nach dem echten Cowboy Leben. Und oh ja, wir haben es gefunden: es beginnt früh und es ist kalt, Essen gibt es, wenn Zeit ist, d.h. eher selten, und nur herzhaftes Anpacken bewahrt vor dem Kältetod. Hier, wo Cowboying nicht nur Lebensstil, sondern auch Lebensunterhalt ist, findet die Seele des Cowgirl’s endlich, wonach sie auf der Suche war: Weites Land, Rinder, Pferde und wortkarge Menschen voller Freundlichkeit. Und spät abends, wenn wir mit wunden Händen und schmerzenden Knochen zwischen den Waschbären am Feuer sitzen, kommt tatsächlich eine müde Romantik auf.  

Far too early: Trailern mit Poetry

5.30 Uhr morgens. Es ist stockdunkel. Ich stelle mit einem leisen Seufzer den leeren Kaffeebecher auf den Küchentresen, schnappe mir noch die dicken Handschuhe und die alten Chinks und öffne die Tür des Bunkhouse.

Die Novembernacht hat den ersten Frost gebracht. Ein paar hundert Meter entfernt, quer über den Hof, jenseits der Ansammlung von Pickups, Trailern und mobilen Cattle Chutes brennt in der Scheune schon Licht. Natürlich hat es Justin schon wieder vor uns geschafft, und ist mit dem Pferde füttern schon fertig. Wir beeilen uns, unsere Pferde einzusammeln und zu satteln. Schnappen uns Kopfstücke und Satteltaschen und werfen alles hinten auf den Pickup, der schon mit laufendem Motor wartet. Die Pferde klettern ohne viel Umschweife auf die offenen Trailer, Cowdog Pancho springt mit Anlauf auf die Ladefläche  und schon sind wir unterwegs. Wir holen zuerst Nachbar Kevin ab, einen „Day-Worker“, der uns heute helfen wird. Er wartet mit gesatteltem Pferd und hievt noch einen zweiten Brennofen auf die Ladefläche des Pickups. Das „Good Morning“ klingt recht mürrisch, sein Gesichtsausdruck lässt auf eine lange Nacht schließen.

Wir fahren eine scheinbar endlose Strasse in den Sonnenaufgang hinein. Aus dem Radio dudelt Country Music, unterbrochen von Cowboy Poetry. Wunderschöne und manchmal traurige Geschichten und Gedichte über den Alltag des alternden Cowboys, den Abschied des Bareback Reiters von seinem geliebten Rodeo, die Pfiffigkeit des jungen Day Workers, mit der er dem Rancher einen Job abtrotzt und gegen den ewig meckernden Cowboy Bill gewinnt. Justin erzählt uns, dass auch Nachbar Kevin ein Buch mit „Cowboy Poetry“ veröffentlicht hat. Hmm, kaum zu glauben bei unserem einsilbigen Freund. Der verspricht aber, etwas zu Besten zu geben, wenn sein Kopf wieder auf Normalmaß geschrumpft ist.

Somewhere in the Bible Belt

Wir sind irgendwo in Oklahoma, in der Nähe von Woodward. Unser Gastgeber ist Justin von der Howard Ranch. Die Ranch ist keine Guest Ranch, das Bunkhouse ein liebevoll eingerichtetes Mobile Home, in dem manchmal Justins Jagdgäste übernachten und nun wir: auf der Suche nach dem echten Cowboy Leben. Wir haben es gefunden: es beginnt früh und es ist kalt, Essen gibt es, wenn Zeit ist, d.h. eher selten, und nur herzhaftes Anpacken bewahrt vor dem Kältetod. Heute fahren wir fast 150 km bis an unseren Arbeitsort. Dies ist Ranch Land, Cowboying ist hier gewollter Lebensstil und wird täglich gelebt. Riesige Pickups überall vor den landwirtschaftlichen Märkten, kein Kerl ohne staubigen, völlig zerknitterten Hut – das muss so etwas wie ein Wettbewerb sein. Kein Haus ohne Barn und Cattle Pen. Die Tankstellen Treffpunkt zum Austausch der letzten Neuigkeiten, Kaffee im Wärmebecher geht hier nicht unter einem halben Liter raus.  Und hier gibt es definitiv mehr Kirchen als Kneipen, dies ist der Bible Belt. Die Waffe klemmt im Wagen oben hinter der Sonnenschutzblende und Obama hat hier keiner gewählt.

Cow Catching

Unser Ziel ist eine Weide in der Mitte vom Nichts. Hier wartet Justins Partner Jeff auf uns: mit Pickup und zwei gesattelten Pferden auf dem Trailer und Justins Mum als Verstärkung. Neueinteilung der Arbeitsgruppen: die eine Gruppe fährt und holt den mobilen Cattle Pen (ein unglaubliches, komplett zusammklappbares Teil, das einfach auf die Anhängerkupplung gehoben wird), die andere fährt vor und beginnt mit dem Einsammeln der Kühe und Kälber. Die „Weide“ ist ein riesiges unwegsames Gelände, mit Hügeln, Wäldern, Felder voller Dornbüschen, Sumpfgebieten und rohem Fels. Und die Rinder sind scheu und schnell. Sie sehen Pferd und Reiter kaum zweimal im Jahr.  Justin teilt den einzelnen Reitern mit großen Armbewegungen ihr „Sammelgebiet“ zu. Ich habe Mühe, den Überblick zu bewahren und mich nicht zu verirren. Einmal lande ich auf der Jagd nach zwei Mutterkühen mitten im Sumpf, der zu dieser Jahreszeit Gottseidank ziemlich trocken ist. Zu Beginn hefte ich meinen Blick auf den Boden, um das Pferd um die übelsten Löcher und blanken Felsstellen herum zu dirigieren. Dann lasse ich das: Sie stolpern eh und mit den Augen auf dem Boden finde ich meine Rinder nie. Wir laufen zu halsbrecherischer Form auf. Das Ganze ist eine sehr schnelle, hochsensible Jagd – für uns, nicht für die Rinder. Die kennen sich bestens aus und tendieren dazu, sich in Luft aufzulösen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Gegen Mittag haben wir die meisten von ihnen allerdings im inzwischen frisch entfalteten Cattle Pen zusammen getrieben. Pause für die Pferde. Ich ziehe mir heimlich ein paar Bisse von meinem Erdnussbuttersandwich rein, außer mir scheint niemand Hunger zu haben. Nun heißt es: Bye, Bye für die Kleinen. Die einzige Öffnung des Cattle Pens endet vor dem Aufstieg in einen Trailer. Durch diese schmale Gasse dürfen aber nur die Kälber, die Mamas werden durch heldenhaften Körpereinsatz der Cowboys von ihren Babys getrennt. Und wieder aus dem Pen gejagt. Sie lauern äußerst unmutig in der Nähe herum, gefangen vom Brüllen ihrer Kälber. Nur sehr zögernd wandert die ein oder andere wieder ab. Wir trailern die Babys auf eine Weide, auf der es einen festen Corral an einer Wasserstelle gibt. Laufgänge und Workchute sind schon aufgebaut. Aber bevor es blutig wird, lädt Justins Mum uns auf eine heiße Suppe und Sandwiches ein. Sie wohnt ein paar Meilen entfernt in einem Mobile Home – natürlich mit zwei Barns, Cattle Pen und einigen Pferdeunterständen. Hier steht auch ein Teil der Pferde aus Justins Quarter Horse Zucht.

From Rodeo to Ranching

Justin baut noch an seiner Existenz als Rancher. Alles, was er verdient,  fließt gleich wieder in ein neues Stück Land, neue Rinder oder den Austausch des ältesten seiner drei Pickups, der bei uns schon seit Jahren nicht mehr auf die Straße dürfte. Justin hat eine lange, erfolgreiche Karriere als Saddle Bronc Rider hinter sich. Seine Ritte kann man im National Cowboy Heritage Museum in OK City bewundern. Mit 36 war er dann definitiv zu alt für das Rodeo Geschäft. Es wäre wohl einfacher, die Knochen aufzuzählen, die er sich nicht gebrochen hat. Und das Wanderleben ohne Familie und andere Freunde als die Rodeo Cowboys hatte er irgendwie auch satt. Und das ewige Auf und Ab zwischen finanziell glücklichen Zeiten, in denen man sich die maßgeschneiderten Stiefel bestellt und den magern Zeiten, in denen man gerne den vom örtliche Friseur gesponserten Haarschnitt für die Rodeo Stars in Anspruch nimmt, um die Matte mal wieder vom Kopf zu bekommen. Aber obwohl er seine noch junge Quarter Horse Zucht und das Cowboying liebt – das Rodeo ist ein Virus, der ihn nie loslassen wird. Und so gibt er nebenbei Kids Unterricht im Reiten und Ropen – für die nächste Generation Rodeo Cowboys. Unsere Pferde sind übrigens ausgemusterte Roping Pferde, turniersauer, nicht ganz einfach zu handeln, aber willig und dankbar für die Arbeit außerhalb einer Arena. An einem Samstag werden wir zum Shopping eingeladen. Durch Baumwollfelder, Öl- und Gaspumpstationen fahren wir – über die Vor- und Nachteile von Silage und Alfalfa Fütterung fachsimpelnd – mal so eben 450 km nach Amarillo, Texas, wo neben dem Rodeo eine riesige Verkaufsshow stattfindet. Und die gesamte Mannschaft nach drei Stunden schwankend unter Packen von Chinks, Batwings, Kopfstücken und Lederbearbeitungswerkzeug glücklich durch die Nacht nach Hause rollt. Im Radio natürlich Country Music. Bleiben vier Stunden Schlaf bis zum nächsten Morgen. Am Sonntag werden die Kühe erst um 7.00 Uhr gefüttert.

Welcome to real life

„Let’s get started“…Es wird früh dunkel und da warten 75 Kälber auf  ihren Eintritt ins Erwachsenenleben. Also hastig das letzte Sandwich herunter geschlungen und zurück auf die Weide, wo unsere Ranchhorses völlig friedlich nebeneinander an den Zügeln lose am Trailer angebunden auf uns warten. Kein Gezerre, keine Keilerei zwischen fremden Pferden, keine aufgescharrte Erde… Ranchhorses eben…

Während ich die Pferde alle zur Wasserstelle führe, bringt Justin den Brennofen in Gang. Die Branding Eisen werden ins Feuer gelegt. Jeff packt aus, was sonst gebraucht wird. Jedes weibliche Kalb wird geimpft, bekommt eine Aufbaukur, sein Ear-Tag mit Nummer, als unveränderliche Markierung ein Dreieck aus dem Ohr gestanzt und erhält seinen JH oder JB Brand. Die Älteren werden enthornt. Die männlichen Kälber außerdem kastriert. Hört sich nach einer traumatischen Erfahrung an. Geht aber so schnell, dass die Kleinen gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Jeff und Justin schwingen sich auf ihre Pferde. Kevin, wir und die Cowdogs suchen zunächst die Kleinsten aus der Herde und treiben die durch einen schmalen Gang aus Paneln durch die offene Work Chute in den Corral. Die Kleinen werden geropt: Head and Heal – am Kopf und am Hinterbein. Die Pferde bleiben stocksteif stehen und halten die Ropes auf Spannung, die Reiter und der Rest der Mannschaft kümmern sich um das verdutzte Minirind. Jeff impft, gibt die Aufbauspritze, setzt die Ohrmarken, Justin kastriert, wir halten den Schwanz aus dem Weg, holen das Eisen aus dem Feuer und bringen den Brand an der richtigen Stelle an. Aufregung das erste Mal, auch das zweite Mal. Beim achten Rind das erste Gefühl von Fließbandarbeit. Die größeren Kälber werden in die Work Chute getrieben und durchlaufen die gleiche Prozedur. Hörner werden gekappt. Nicht immer geht das unblutig ab. Die durchtrennte Arterie besprüht alles in 3 Meter Umkreis mit einem feinen Schauer an Blutstropfen, bis sie mit dem Brenneisen wieder versiegelt ist. Justin benutzt zum Kastrieren steril verpackte Skalpelle, die müssen aber für ein paar mehr Kälber reichen. Blutbespritzt vom Hörner kappen und mit dem blutigen Skalpell zwischen den Zähnen sieht er aus wie aus einem Trash Horror Film – außer, dass die Sonne vom blauen Himmel strahlt. Meine dezenten Versuche, den Männern am späten Abend vor dem Besuch des Restaurants wenigstens ein feuchtes Tuch anzubieten, um das Gesicht abzuwischen, stoßen auf Unverständnis. Wir schaffen die letzten paar Rinder, als es fast schon dunkel ist. Nach Sonnenuntergang ist es bitterkalt. Mit einem mitleidigen Blick auf uns, beschließt man, den Transport des mobilen Cattle Pens auf den nächsten Tag zu verschieben. Normalerweise wäre das kein Thema gewesen. Nur noch anderthalb Stunden…Die brauchen wir auch noch, um nach Hause zu fahren. Als wir bei Charly einfallen, einer Kneipe mit einer Frontausstrahlung, die wir allein nicht zu betreten gewagt hätten, haben wir keine rechte Freude mehr an den Steaks, die weit über den Tellerrand hinaus ragen. Was hätte ich für einen doppelten Whiskey gegeben. Aber 0,1 Prozent Bier ist das Üppigste, was die Kneipen im Bible Belt hergeben. Gesoffen wird daheim. Aber selbst dafür bleibt meistens keine Zeit. Real, real work – nix für Möchtegern-Cowboys.

Ein großes Herz oder warum manche Liebe wehrhaft macht!

Dieser Artikel ist über Tiere und Menschen, über Gemeinden und Steuern, über eine Liebe und einen Kampf, über Persönlichkeitsbildung und Politik. Und er ist so lang wie das Thema komplex ist.

Die junge Journalistin, die gerade ein Interview in einem hessischen Pferdestall geführt hat, fasst ihre Verwunderung über die öffentliche Diskussion der letzten Zeit zusammen: „Es ist bemerkenswert, wie das Thema Pferdesteuer Wellen schlägt. Ich hätte nicht erwartet, dass es eine so starke Lobby und einen solchen Zusammenhalt zwischen den Pferdeleuten gibt.“

„Pferdeleute“ sagt sie. Das hat sie schon gelernt bei Ihren Recherchen. Denn das Thema betrifft bei weitem nicht nur die Reiter. Da sind die Stallbetreiber, Reitlehrer, Tierärzte,  Schmiede, Handwerker, Futterhändler… Pferdehaltung ist ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Und die Pferdeleute wehren sich gegen die Einführung der Pferdesteuer, die die Länder den Gemeinden zur Sanierung ihrer maroden Finanzsituation empfohlen hat. Das hat seinen Grund.

 Der Totilas Schaden oder kein Licht im Offenstall

Deutschland war immer ein Pferdeland. Mit großartigen Pferden und bemerkenswerten Reitern. Mit großen Reitlehrern, die internationalen Ruf erwarben. Das Pferd in der deutschen Kunst und Literatur zeugt von der tiefen Verbundenheit der Deutschen mit ihren Pferden. Pferde sind Kulturgut. Reiten ist Breitensport. Wer immer die Idee mit der Pferdesteuer ausgeheckt hat – und das passiert alle Jahre wieder – unterliegt dem Totilas Syndrom. Wenn heute die nichtreitende Öffentlichkeit etwas über Pferde erfährt, so dreht es sich immer um den großen Reitsport. Oder um große Skandale. Und dann ist die Rede von Pferden, die Millionen wert sind und die ihren Besitzern Millionen einbringen. Auf dem Parcours oder der Rennbahn.

Welcher durchschnittliche Nichtreiter hat beim Thema Pferd schon die beiden 20jährigen Mädchen im Auge, die abends im Dunkeln nach der Arbeit Hunderte von Litern Wasser in ihren kleinen Offenstall ohne Wasseranschluss und Elektrik schleppen?

 Der Mythos vom reichen Reiter oder Gummistiefel im Winter

Rennpferde, Turnierpferde und ihre Reiter sind die Spitze eines Eisbergs. Reiter sind heute vor allem Freizeitreiter und nennen sich bewusst so. Die Definition beinhaltet – unter Abdeckung einer Vielfalt von Reitweisen – vor allem ein gemeinsames Verständnis vom Partner Pferd. Dazu gehört eine artgerechte Haltung ebenso wie die Sichtweise des Pferdes als Freizeit-Partner in einer Partnerschaft, in der die Bedürfnisse aller Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt werden.

Wer heute bei einem Freizeitreiterstall vorfährt, dürfte sich als erstes über die Ansammlung von vom Alter gekennzeichneten Kleinwagen wundern, deren Rücksitze Pferdedecken und Hundehaare zieren. Das sind die fahrbaren Untersätze von Leuten, die für die Tierarztrechnung abends zusätzlich in der Kneipe kellnern, deren Winterjacken schon 5 Jahre alt sind, die Pferdedecken aber neu.  Die in den letzten Jahren ihren Urlaub im Stall statt auf Mallorca verbracht haben.

Deutsche TV Produktionen verbreiten immer noch gerne das Bild des Reiters, der mit glänzenden Stiefeln und blitzender Karosse vor dem Stallgrün vorfährt und sein fertig gesatteltes Pferd vom Stallknecht entgegen nimmt. Glänzende Stiefel? Für einen jugendlichen Reiter ist der Erwerb der ersten Lederreitstiefel ein von sämtlichen Verwandten finanzierter Höhepunkt seiner Karriere. Nach Jahren bitterer Schmerzen beim Auftauen der Füße, die in Gummistiefeln erst Stunden im Schnee herumgestapft sind, um dann bei der Fahrradfahrt heim vom Stall endgültig dem Kälteschock zu erliegen.

 Pferdemenschen oder warum Weihnachten nicht wichtig ist

Aber egal! Solche Widrigkeiten gibt es viele im Leben eines Reiters. Irgendwann kurz nach der Pubertät entscheidet sich ein Mensch dazu „Pferdemensch“ zu werden oder eben nicht. Ein Pferdemensch ist danach für den Rest seines Lebens unheilbar vom „Bazillus Cavallus“ befallen. Und nimmt dafür so ziemlich alles auf sich. Weil dieser Bazillus nämlich etwas mit Liebe zu tun hat und einer tiefgehenden Faszination. Wie passiert das?

Pferde sind in hohem Maße persönlichkeitsbildend. Anders als Hund oder Katze sind Pferde Fluchttiere. Hochsensible, auf ihre Umwelt ungeheuer fein reagierende Geschöpfe. Sie spiegeln ihr Gegenüber – im Umgang wie beim Reiten. Wer in Eile ist oder übellaunig, unruhig oder mit sich unzufrieden, wird mit seinem Pferd kein Stück weiterkommen. Oder wie es einer der großen hessischen Rittmeister früherer Zeiten, Rudolf Binding, formuliert: „Das Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen.“ Und: Wer geradeaus will, wer das Leben sucht, wer Gebieter ist, vor allem Gebieter seiner selbst, wer gefasst ist und in sich gesammelt, wer sich vertraut und klaren Geistes ist, der mag wohl gut reiten.“ Der Umgang mit dem Pferd führt unweigerlich zur Entdeckung und Erkenntnis seiner selbst, gefolgt vom Erlernen der Selbstkontrolle und dem Gefühl tiefen Respekts und Dankbarkeit dem Wesen gegenüber, das dies ermöglicht hat.

Pferde sind keine Tennisschläger, die man in die Ecke wirft, wenn man gerade keinen Bock mehr auf den Sport hat. Und Reiten findet nicht in einer geheizten Turnhalle statt. Pferde wissen nichts von Weihnachten und Geburtstagen. Winterkälte und Sommerhitze ändern nichts an ihren Grundbedürfnissen: Pflege, Futter und Bewegung. Reiter sind Draussen-Menschen. Sie wissen an jedem Tag sehr genau wie das Wetter ist. Und die Geburtstags-Party startet erst, wenn das Pferd versorgt ist. Verantwortung bis zur Hingabe ist ein weiteres gemeinsames Kennzeichen von Pferdemenschen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

 Ein großes Herz und wie man es bekommt

Aber es gibt noch mehr zu lernen mit dem Partner Pferd. Was, das kann man z.B. am „Abend der Vereine“ bewundern, der einmal im Jahr im Rahmen des Frankfurter Festhallenturniers stattfindet. Die Mitglieder lokaler Reitvereine zeigen in einem Schaubild, was sie können. Hier sind die Freizeitreiter unterwegs, mit einem bunten Rassemix von Warmblut über Haflinger bis Shetland Pony. Überwiegend sind es Kinder und Jugendliche, bis zu fünfzig Mitwirkende hat ein solches liebevoll gestaltetes Schaubild. Wer nicht das Glück hat, ein Pferd zu reiten, der läuft, tanzt, singt und musiziert.

Es bewegend zu sehen, was dort in der Arena geleistet wird. Man denke nur einmal daran, was es bedeutet, die Kostüme und Utensilien zu organisieren: leihen, erbetteln, Sponsoren suchen… Und Dutzende von Stunden nächtlicher Näh- und Bastelarbeit binden Angehörige und Freunde aller Beteiligten ein. Obwohl die reiterischen Leistungen durchaus überzeugend sind, ist etwas anders viel bedeutender: Auf einer so großen Fläche, unter dem Scheinwerferlicht der durchaus respekteinflößenden und eindrucksvoll festlichen geschmückten Festhalle, unter Hunderten  wachsamer Augen eine 10minütige Choreografie sauber zu spielen, das verlangt einen ungeheuren Einsatz von Mensch und Tier. Das Herzklopfen übertönt fast die Musik. Es ist ein ständiges über seinen eigenen Schatten springen. Aber die Erfahrung ist einzigartig und lehrreich. Hierfür haben alle wochenlang geübt, ob fünf oder fünfzig Jahre alt. Und sie haben viel dabei gelernt. Zum einen, wie es ist, ein Teil einer Gruppe zu sein, die perfekt miteinander funktionieren muss. Die auch die Jüngsten, Schwächsten, Gefallenen, Stolpernden und Falschreiter wieder aufsammelt und mit sich trägt. Die weiß, dass man nur gemeinsam erfolgreich sein kann. Und eine weitere Erfahrung: Disziplin. Selbst die Kleinsten wissen, dass es bei der Arbeit mit Pferden nicht hilft, in Panik zu verfallen. Nur Ruhe und Kontrolle helfen in verzwickten Situationen weiter. Dafür gibt es immer viele schöne und mutige Beispiele zu sehen.

Was für ein großes Herz muss das kleine Mädchen auf dem schnellen, recht wild dreinschauenden Shetland Pony haben, wenn es mitten in dieser riesigen Arena eine Reihe von Pferden für einen Sprung anführt, wohl wissend, dass die folgenden Reiter von ihrer Leistung abhängig sind!

Apropos Shetland Pony – diese und andere Winzlinge unter den Pferden sind oft die Lieblinge und Stars vieler Vereine und vor allem der allerjüngsten Reiter! Von nun an sollen die nächsten 10 Jahre eines solchen Winzlings die Gemeinde um bis zu 7.500 EUR bereichern.

Eine Gemeinde wundert sich oder die Entfernung zwischen Mensch und Politik

Pferdebesitzer sind demographisch so unterschiedlich wie nur was. Wohl keine Gemeinde hätte zum Thema Pferdesteuer erwartet, sich plötzlich einer solchen Lobby gegenüber zu sehen und einer so breiten öffentlichen Diskussion ausgesetzt zu sein. Da mussten bei der öffentlichen Sitzung zur Abstimmung über die Pferdesteuer zunächst  zusätzliche Stühle besorgt werden, um den 350 Reiter aus dieser und den umliegenden Gemeinden Platz zu schaffen, die gekommen waren, um zu protestieren. Die folgende Abstimmung fiel im Übrigen gegen die Pferdesteuer aus. Die für die Prüfung des Antrags zuständige Dame aus der Nachbargemeinde sah sich mit Hunderten von E-Mails täglich konfrontiert, die nicht immer sachlich blieben.

Als es dann so aussah, als würde sich die Schlacht um die Pferdesteuer genau in dieser hessischen Gemeinde entschieden, tauchten die Fernseh- und Zeitungsleute auf. Und der Anteil an Sendezeit und Berichterstattung fiel für die Gemeindevertreter eher dürftig aus. Kopfkratzen! Wie konnte das sein?

Die Gemeinsamkeiten der ansonsten sehr unterschiedlichen „Pferdemenschen“ haben wir hier betrachtet. Dass sie auch gemeinsam aufstehen können, haben sie bewiesen. Im Internet gibt es Aktionsbündnisse und Unterschriftensammlungen. Alleine in Facebook halten mindestens fünf Gruppen alle Interessierten ständig auf dem allerneuesten Stand. In dieser Szene passiert nichts, was den wachsamen Beobachtern entginge. Sämtliche Verbände unterstützen die Initiativen und Aktionen gegen die Pferdesteuer. Mit Anschreiben an die Gemeinden und sachgerechten Argumenten. Und mit der Zusage anwaltlicher und finanzieller Unterstützung im Falle von Prozessen. Denn selbst mit der Entscheidung für die Pferdesteuer in einer Gemeinde wäre das Thema noch lange nicht beendet. Gibt es da doch den Paragraphen 62 a in den Landesverfassungen, der da lautet: „Der Sport genießt den Schutz und die Pflege des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände.“Schon lange haben Anwälte Klageschriften in der Schublade liegen.

Aufwand gegen Nutzen – Kulturgut oder Steuerobjekt

Natürlich zählen vor allem auch wirtschaftliche Argumente. Wer oder was soll denn hier eigentlich besteuert werden? Das Pferd, das Reiten, der Reiter? Klar, das Pferd. Aber wie steht es mit der Steuer auf Schulpferde, Therapiepferde, Zuchtstuten, Fohlen? Ausnahmen? Ok. Und was ist den alten, nicht mehr reitbaren, kranken und Beistellpferden? Wer wird sich ihr Wohlergehen noch leisten können? Alle Ausnahmen einmal definiert und abgezogen, was bleibt? Und was kostet es, die Ausnahmen zu definieren und ständig zu überprüfen?

Es gibt in Deutschland keine zentrale Registraturstelle für Pferde. Gerne möchte man die Betreiber der Pensionsställe zur Einziehung der Steuer heranziehen. Was ist aber mit den zahllosen kleinen Offenställen, die an jeder Ecke des Landes wie Pilze aus dem Boden schießen? Was ist mit dem Nachvollziehen von Besitzerwechseln? Wie viele Reiter, die ja sowieso nicht in der Gemeinde wohnen, werden mal eben über die Gemeindegrenzen auswandern? Der wirtschaftliche Verlust der Stallbetreiber führt für die Gemeinde zu Einkommens- und Umsatzsteuerverlusten. Auch wenn Reitsport nicht mehr elitär ist, so gibt es doch weit mehr Fußballer als Reiter. Rechnet sich das Einkommen über die Pferdesteuer überhaupt gegen den Aufwand, sie zu erheben und die durch sie verursachten wirtschaftlichen Schäden in vielen Wirtschaftsbereichen der Gemeinde?

Sind unsere Pferde Kulturgut oder Steuerobjekt? Wie gut durchdacht ist diese Geldbeschaffungsmaßnahme? Wem nutzt und wem schadet sie? Wäre es nicht gerade in der heutigen Zeit unverantwortlich, auch nur einem Jugendlichen die Chance zu nehmen, das zu lernen, was der Umgang mit dem Pferd ihn lehren kann? Welcher andere Sport beeinflusst in so positiver Weise die Persönlichkeitsbildung und lehrt soviel Verantwortung, Mitgefühl, Disziplin und Lebensfreude? Und fördert, was wir allen Heranwachsenden und vor allem unseren Politikern so sehr wünschen: ein großes Herz.

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