Zum Inhalt springen

Wir leben jetzt glücklich in einem sehr alten Land …

Wir leben jetzt glücklich in einem sehr alten Land, wo Maßliebchen aus den Mündern längst toter Männer wachsen und Rosen aus den Lenden heiliger Jungfrauen, die nie ein Kind geboren haben – und das sind schönere Epitaphe als die, die man auf Grabsteinen liest. Für Ruarri den Wolf wird es keine Rosen geben, denn er ist verbrannt, und was von ihm geblieben ist, hat man auf Grund einer verstaubten gesetzlichen Bestimmung in der Morrisonschen Familiengruft unter einem Granitstein beigesetzt.

Aber es gibt ein Epitaph – dieses Buch –, und es ist in liebevoller Erinnerung an ihn geschrieben. Dies sind die Worte, mit denen es schließt:

Ich vermisse dich, Bruder Wolf. . . Gott, wie ich dich vermisse.

Wir sind in Tag 17 der BookChallenge. Das hier ist ein Buch eines meiner Lieblingsschriftsteller.

Ein Schriftsteller reist zu den abgelegenen, windgepeitschten Inseln der Äußeren Hebriden Schottlands, um Ruhe zu finden. Aber sein Treffen mit zwei Fremden vervollständigt ein Dreieck, das eine Geschichte von Wahnsinn und Terror auslöst. Der Sommer des Roten Wolfes ist eine abenteuerliche Erzählung in einer rauen Landschaft. Sie hat wirklich alles, was ein Abenteuer braucht. Und natürlich Schottland, die Highlands und die Inseln – und vor allem natürlich Schottland.

Das Gestern war ein zugeklapptes Buch, weil morgen ein neuer Tag war und wir dann wieder einander fremd wären. Und es war nur gut, daß wir beide nicht ahnten, was Muirgin, die schaumgeborene Zaubergöttin der Kelten, in unser beider Schicksal webte.

Was sie an jenem Tag für uns webte, war schlicht und schön. Wenn Zauber dabei war, dann war er heilsam für mich. Da war die Musik fremder Namen: Morvich und Auchtertyre, Balmacara und Luib, Sligachan und Kansaleyre. Da lag das schwarze Boot auf einem Kieselstrand, und fünf Meilen im Umkreis war kein Mann, keine Frau, kein Kind zu sehen; da war der alte, der uralte Mann, der bis zu den Knien in einem Forellenbach stand und seine Angel so feierlich auswarf, als sei es ein heiliger Ritus; da waren die Cuilliens, hoch und majestätisch, erloschene Vulkane aus der Zeit der Sintflut; da waren der goldene Blasentang, der wie ein Teppich auf den schwarzen Felsen unterhalb der Gezeitenmarke lag, und die Schwärme weißer Möwen über den weißen Häusern am Ufer. Da war die Frau, die das gemähte Gras umdrehte und zu Puppen häufte; da war die Herde schwarzköpfiger Schafe mit ihrem Hirten, der sie über die Straße trieb, während wir anhielten, damit er sie überqueren konnte. Und überall war dort Heide und grünes Moos und manchmal eine Holzbude und hin und wieder riesige Felsbrocken, die ein Gletscher dort hinterlassen hatte.

Morris West war einer der großen Geschichtenerzähler des 20. Jahrhunderts. Er schrieb 28 Romane, von etlichen gibt es eine Filmversion.

Ich habe sie alle gelesen und kann sie alle empfehlen. Der Salamander, Des Teufels Advokat, In den Schuhen des Fischers, Der Turm von Babel, Nacktes Land, Die Gaukler Gottes.

Aber dieses – Der rote Wolf – ist vor allem für Schottlandfans eine absolute Empfehlung.

2 Antworten auf „Wir leben jetzt glücklich in einem sehr alten Land … Hinterlasse einen Kommentar

  1. Oh Morris West, habe ich immer gern gelesen und heutzutage auch noch. War meistem in Englisch oder Niederländisch. Könnte eigentlich alle nicht gelesene Bücher mal kaufen. Welcher Verlag hat sie noch?

    Liken

Schreibe eine Antwort zu Greta DHCancel Reply

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: