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A Little Life

In diesem Buch geht es um Grausamkeiten, um endlose Liebe und um Verlorenheit.

Dieser Satz ist nicht stark genug.

Nicht stark genug, um die Grausamkeit der Grausamkeiten, die Wahrheit der Liebe und die Machtlosigkeit in völliger Verlorenheit zu beschreiben.

Jedes Wort mehr über den Inhalt wäre falsch.

Ein Buch, dass mich wirklich anfasst, bringt mich zum Weinen. Das sind wenige. Und das liegt nicht so sehr an ihrem Inhalt wie an ihrer Sprache.

Ich habe dieses Buch im Original, in Englisch, begonnen. Vermessen. Dieses Buch ist wortgewaltig, bildgewaltig. Es reizt die Grenzen von Sprache manchmal bis an den Rand aus.

Dazu zählen anspruchsvolle Satzkonstruktionen, neun Zeilen lange Sätze, die die Möglichkeiten von Satzzeichen bis an die Schmerzgrenze dehnen.

„But then the feeling would dissipate, and he would be left alone to scan the art sections of the paper, and read about other people who were doing the kind of things he didn’t ever habe the expansiveness, the arrogance of imagination to dream of, and in those hours the world would feel very lage, and the lake very empty, and the night very black, and he would wish he were back in Wyoming, waiting at the end oof the road for Hemming, where the only path he had to navigate was the one back to his parents house, where the porch light washed the night with honey.“

Die Nacht in Honig baden …

Bis zur Seite 60 hatte ich folgende Wörter gelernt:

daub – Schmiererei, Farbfleck
garish – grell, schrill
prissiness -Zimperlichkeit
fey – entrückt, hellseherisch, totgeweiht
ephemeral – vergänglich, flüchtig
tattered – zerfetzt, zerrissen

Irgendwo in der Mitte der tausend Seiten habe ich, der Quer- und Schnellleser, aufgegeben, und bin in die deutsche Übersetzung gewechselt, unfähig, die Geschichte in meinem englischen Lesetempo schnell genug zu Ende zu bringen.

Aber ich habe diese Musik in der Sprache dort nicht so wieder gefunden. Diese Dringlichkeit, die bestürzende Melodie, die einem den Figuren so nah bringt, wie man es sich selbst kaum jemals war. Es ist ein Voyeurismus, der es dir nicht erlaubt, dich zu verschließen, wegzusehen, aufzuhören.

Unmöglich, der Geschichte nicht bis zu ihrem Ende zu folgen. Die Intensität von Sprache und Geschehen halten dich gefangen bis zu ihrem leisen Ausklang.

Sich jemandem verbunden zu fühlen, jenseits alle Normen und Prägungen, das Wagnis des Nichtwissens einzugehen für die fürchterliche Freiheit eines anderen und Liebe zu geben ohne Garantien.

Ein Schrecken, bei dem Nachfühlen nicht möglich ist, unvorstellbar finster, und eine Liebe, die immer dennoch existiert und immer wieder und immer wieder, und deshalb so ungeheuer menschlich ist und davon Zeugnis gibt, was Menschsein alles bedeuten kann.

Lesen! Wenn ihr könnt in der Ursprungssprache.

Hanya Yanagihara: A Little Life. Ein wenig Leben.

Danke an arcimboldisworld.com ohne dessen Rezension mir das Buch entgangen wäre.

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