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Die Zeichen der Zeit

Ich lebe in einem sehr alten Haus, das um das Jahr 1789 gebaut wurde und die Synagoge des Ortes war. Nur ein paar Hundert Meter vom Haus entfernt, am Waldrand, liegt der jüdische Friedhof , der irgendwann zwischen 1800 und 1840 zum ersten Mal erwähnt wird.

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Es ist  ein stiller Ort, schon wieder mehr Wald als Gedenkstätte. Niemand kommt hier her. Es gibt keine Pfade mehr, je nach Jahreszeit ist der Boden übersät mit Waldblumen. Manchmal – wandere ich durch die alten Steine und berühre den ein oder anderen. Lese halbverwitterte Namen und lege kleine Steine auf die Gräber, deren Fußenden nach Jerusalem ausgerichtet sind.

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Die alten Steine schlafen friedlich unter den mächtigen Bäumen. Nur wenig Licht dringt durch das Blätterdach.

Ein jüdischer Friedhof und seine Grabstellen bleiben für immer bestehen, weil ein Friedhof im jüdischen Glauben kein Ort des Todes, sondern ein „Haus des Lebens“, des ewigen Lebens ist. An die einhundert Grabsteine stehen hier. Alle sind stark verwittert. Nur selten sind Namen und Jahreszahlen noch erkennbar.

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Zeit und Wetter haben dafür jedem Stein ein ganz eigenes Gesicht gegeben. Die natürlichen Strukturen von Moosen und Pilzen vermischen sich mit dem bröckelnden Stein und den letzten erkennbaren Arbeiten des Steinmetzes:  Zeichen, Schriften und Symbolen.

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Kanne und Krug sind Zeichen der Leviten, Nachkommen des Stammes Levi, der Tempeldiener.

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So ist es die Zeit, die hier jedem ein ganz eigenes Denkmal setzt, bevor die Natur wieder vereinnahmt, was ihr gehört.

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