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Speckstippe und die Welt da draußen

Samstag auf dem Dorf. Die Sonne strahlt, die Sägen klingen, Traktoren nehmen sich die Vorfahrt.

Nachbar A macht seinen Kirschbaum einen Kopf kürzer und wir lassen uns das nicht entgehen. Sitzen zum Zuschauen auf dem Balkon wie die Alten in der Muppet Show. Hinterher gibt es zur Belohnung eine Runde Oldies auf der Terrasse, richtig gute, und ich reiche einen halben frisch gebackenen Hefezopf über den Zaun.

Nachbarin B bummelt vorbei und holt sich etwas von meinem aufgefrischten Sauerteig, den ich in der Dorf FB Gruppe angeboten habe. Mehl und Hefe gibt hier nicht mehr. Ich  reiche den Sauerteig übers Hoftor und wir schwatzen über das letzte Rezept.

Wir bauen das Gewächshaus auf und säen Salat, Kräuter und Tomaten. Sicher werden wir viel zuviel Pflänzchen bekommen. Aber vielleicht mögen die Nachbarn ein paar.

Pause. In den Forsythien summen die ersten noch trägen Bienen.

Zeit für die Hunde. Wir wandern die 200 Meter zum Wald hinauf. Bei Nachbar C spielen die Kids Federball auf dem Rasen, das Gequietsche ist groß.

Gleich hinter der Schafweide treffen wir Nachbar D beim Gänse füttern und quatschen übern Zaun trotz des Lärms kurz über Füchse und Waschbären, weil er die Fallen frisch aufgestellt hat.

Über unsere Köpfe fegen die Turmfalken, die im Kirchturm wohnen und ein großer Bussard segelt majestätisch über die Weiden am Waldrand.

Der alte jüdische Friedhof ist übersät von Buschwindröschen, so viel neues Leben um die uralten Steine.

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Wir atmen tief durch und schauen auf das Dorf hinunter, das im warmen Sonnenlicht liegt. Die großen Weiden am Bach zeigen ein blütenfrisches Hellgelbgrün.

Nachbar E treffen wir auf dem Rückweg schwitzend beim Zäune setzen. Die Pferde wollen endlich raus und das Gras wächst gut. Wir winken einander zu.

Daheim warten Speckstippe, Pellkartoffeln und Gurkensalat nach Omas Rezept.

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Unfassbar, dass da draußen gerade eine Welt zusammen bricht.

Wenn es mich trifft, bin ich froh, dass ich hier war.

 

4 Antworten auf „Speckstippe und die Welt da draußen Hinterlasse einen Kommentar

  1. Oftmals sind es ja die Nachteiligkeiten die wir Dorfbewohner beklagen . So hat mit den 1.April der letzte Artz seine Praxis geschlossen , nur wenige Tage ist in unserem Dorfblatt zu lesen, dass auch der Apotheker seine Tür für immer schließen möchte. Eine Bank und eine Post gibt es schon lange nicht mehr . Zum Einkauf können wir auch nicht mal ein paar Meter die Strasse runter laufe, um die Dinge zu kaufen die wir zum täglichen Leben brauchen. Dennoch bin ich froh in diesen Tagen und auch sowieso in einem Dorf zu wohnen.
    Liebe Grüß und trotz der schwierigen Bedingungen ein frohes Osterfest.
    Werner der Vogelknipser.

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  2. Zu uns kommt jetzt an 2 Tagen in der Woche eine Ärztin in die alte Schule. In fast allen Dörfern gibt es wieder Dorfläden mit kleinen integrierten Cafes. Wir haben eine ganz gut funktionierende Facebook Gruppe, in der gerade jetzt Hilfe angeboten wird und fehlende Dinge zum Tausch.
    Hier funktioniert eine Medikamentenbestellung so: Ich rufe die Sprechstundenhilfe an, die das Rezept fertig macht. Das Rezept wird vom Apothekenfahrer beim Arzt abgeholt. Die Apotheke ruft mich an,klärt ggf. Probleme und sagt mir, was das alles kostet. Ich kann weitere rezeptfreie Mittel in Auftrag geben. Abends kommt der Fahrer, bringt mir meine Medikamente und ich zahle. An der Haustür.
    Dorf braucht nur viel guten Willen und ein wenig Organisation.

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