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Tsundoku – nicht ich!

„Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity.“

A. Edward Newton, author, publisher, and collector of 10,000 books.

Selbst wenn das Lesen ein Ding der Unmöglichkeit ist, erschafft allein das Vorhandensein gesammelter Werke eine solche Ekstase, dass der Kauf von mehr Büchern als man lesen kann, nichts anders verkörpert als die Seele, die  nach Unendlichkeit strebt. 

A. Edward Newton, Author, Publizist und Sammler von 10.000 Büchern

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Das klingt ganz schön euphorisch, dachte ich als ich dieses Zitat las. Und dann: Betrifft das auch mich?

Erst neulich schrieb ich hier die Story darüber, wie ich 10.000 Bücher besaß und wie ich sie Stück für Stück losgeworden bin. Und ich schrieb darüber, wie sich in meinem Schlafzimmer Bücherstapel bilden. Diese Geschichte gibt es hier!

Tsundoku

„Tsundoku“ ist ein japanischer Ausdruck dafür, ein Buch zu kaufen, es aber nicht zu lesen, sondern es zu anderen ungelesenen Büchern auf einen Stapel zu legen. So entstehen Büchertürme ungelesener Bücher.

Bei Tsundoku geht es aber per definitionem darum, dass die Bücher nie mit der Absicht gekauft wurden, sie zu lesen. Huch? Wer macht denn so was?

OK, ich habe schon von Coffeetable Books gehört – also diese Dekogegenstände, die im Zimmer auf kleinen Tischen ausgebreitet werden, um zu beweisen, wie belesen man ist und wie sehr man schöne Dinge würdigt.

Aber ich habe alle meine Bücher gelesen. Mein Problem ist, dass ich darüber entscheiden muss, ob ich ein gelesenes Buch behalten möchte. Meine Büchertürme bestehen also aus gelesenen Büchern, bei denen ich noch nicht entschieden habe, ob ich sie genug liebe, um sie zu behalten.

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Wenn die Definition also richtig ist, dann gilt Tsundoku auch nicht für alle die, die SUBs oder ZUBs haben (Stapel oder Zimmer ungelesener Bücher). Sie haben ja stets die Absicht, alle zu lesen.

Aber vielleicht greift Tsundoku dann, wenn es einem klar sein müsste, dass man die Stapel, die sich auftürmen, niemals schafft, sich aber dennoch weiter neue Bücher kauft.

Mein ausuferndes Buchbeschaffungsverhalten hat das Online Shopping kanalisiert. Suche ich ein Buch aus einem Online Angebot aus und habe dabei die Gelegenheit, mich sehr ausführlich mit dem Inhalt zu beschäftigen und ggf. sogar Rezensionen auf verschiedenen Sites zu lesen, so kostet das Zeit und ich entscheide mich meist nie für mehr als zwei Bücher.

Ein Live Besuch bei Hugendubel gerät allerdings stets außer Kontrolle. Zu viele und zu teuer gekauft. Die Fehlerquote ist allerdings recht gering, da ich Seiten anlesen kann und stets weiß, ob mich dieses Buch fesseln wird oder nicht. Klar kann sich die Geschichte im Nachhinein noch als abstrus herausstellen, aber dann darf das Buch eben nicht bei mir bleiben. Da hat es dann selbst schuld.

Bücher beruhigen, versammeln wundervolle Welten in handlichen Format um mich herum. Bauen ein Zuhause. Regale und Stapel voller Bücher, ob gelesen oder ungelesen, bleiben immer ein Quell neuer Entdeckungen, erlauben Endlos-Stöbern an verregneten Tagen.

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Darüber hinaus liebe ich schöne Bücher, vor allem schöne alte Bücher. Die habe ich sicher nicht alle komplett gelesen. Solche Schätze überall und bei jeder Gelegenheit zu finden, ohne dabei arm zu werden, ist ganz sicher eines meiner Hobbys.  Oder sogar eine kleine Sucht.

Soll Tsundoku bedeuten, dass ich gar keinen Bezug zum Inhalt herstelle, weil mir ja schon klar ist, dass ich das Buch nie lesen werde? Oder ist es eher etwas wie eine Vorratshaltung, Hamsterkäufe eben?

Vielleicht habe ich die Bedeutung dieses japanischen Worts, das im Übrigen sehr alt ist, nicht ganz genau verstanden.

Allerdings denke ich, Tsundoku ist nicht mein Problem. Obwohl das Vorteile hätte, denn es ist meist erleichternd, wenn das eigene Problem sozusagen öffentlich wird, indem es einen Namen erhält. Man ist nicht mehr so allein damit.

Aber mein „Viel-Bücher-Problem“ liegt irgendwie anders. Ende ich also banal mit einem fast schon totzitierten Zitat von Schopenhauer, weil es halt hier einfach passt:

„Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit zu lesen mitkaufen könnte.“

 

 

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