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Einmal Winterblues und Regengrau bitte!

Kirchenglocken. Augen auf! Grau. Traumgrau? Nein, Taggrau.

Dieses Grau färbt meine Träume, es schleicht vor mir her die Treppe hinunter. Wie Nebel. Es ist anhänglich, es haftet an mir. Dicker schwerer Nebel. Kaum bekomme ich den Kaffeebecher an die Lippen.

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Tagesbeginn sollte sein wie Neuanfang. Immer wieder. Eine neue Chance. Ungekannte Gelegenheiten. Da sollte nerviges Amselschlagen sein, Taubengurren, Nachbarsrufe nach dem Hund und vom Hang gegenüber das Traktorenmurmeln des unermüdlichen Bauern.

Aber alles schweigt. Was sollte auch das Trommeln übertönen, das der Regen schon wieder auf dem Blechdach des Schuppens produziert. Das Geräusch treibt mir die Tränen in die Augen.

Das Vogelhaus bleibt leer. Die Kleinen krallen sich geplustert an irgendwelchen Ästen fest, die blattlos keinen Schutz mehr bieten. Die Hunde bleiben drin. Udo, der Briefträger, grüßt nicht mehr. Er würde dabei ersaufen.

Ich hatte mir einen Plan gemacht für diesen Winter. Eine Liste von Filmen, die ich wieder sehen wollte. Ein Stapel von Buchempfehlungen. Das Licht aufbessern im Fotostudio und eine hübsche Serie Studioaufnahmen machen. Mindestens 20 verschiedene Apfelkuchen backen. Schränke aufräumen.

Mitte Februar sind nur noch schäbige Reste von dieser Liste übrig.

Die Hunde wollen raus. Hier draußen gibt es endlose Feld- und Waldwege. Teiche, kleine Seen, Burgen und Ruinen, eine sanft geschwungene Landschaft, die hinter jedem Hügel anders mit dem Licht spielt. Wenn denn da Licht ist.

Übrig geblieben sind zwei asphaltierte Wege, an denen wir den Bäumen inzwischen Namen gegeben haben. Die Hunde wahrscheinlich andere als ich. Oder Gummistiefel anziehen und unter Lebensgefahr die Apokalypse besichtigen.

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Was nicht der Trockensommer und die Stürme erledigt haben, haben die Aufräumtrupps geschafft. Chaos, zersplittertes Holz, metertiefe Reifenspuren, zerstörte Bachläufe, zusammengebrochene Brücken. Wasser überall.

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Die Pferdeweiden völlig zertrampelt und die Feldwege beim Abholen der Raufen und Wasserwagen von Traktoren bis zur Unkenntlichkeit umgegraben. Da diese Wege dann  nicht mehr befahrbar sind, müssen auch die Wegränder und Umwege durch Feld und Wald für die schweren Maschinen herhalten.

Apokalyptische Bilder. Die mit dem grauen Nebel und dem schleimigen Schlamm schon hinter meinen Augen lauern, wenn ich die Hundejacke anziehe.

Ich wünschte, ich hätte die Geduld, die Kraft und die Unbekümmertheit meiner Hortensien. Deren Knospen sind gesten über Nacht aufgegangen. Mein Garten wird grün. Grün, du lieber Himmel! Denen reicht dieses schmutzig gefilterte Licht, während ich noch mit dem Gelb meiner Vitamin D Pillen vorlieb nehmen muss.

In meinem E Mail Eingang häufen sich die Rezeptempfehlungen. Ganz klar, was soll man denn auch schon machen außer in der Küche stehen. Ich habe auch schon zugenommen.

Es muss etwas geschehen. Also nix wie rauf auf mein Spinning Trainingsbike und ab auf den Trip. Ich habe den großen Laptop aufgebaut und lasse mich entführen. Ok, das Tempo halte ich nicht lange mit, aber es macht Höllenspaß. Und guckt mal – der Himmel ist blau. Und ab Minute 10.24 kommt die Sonne raus. Blauer Himmel – da muss ich fast schon wieder weinen. Aber ich glaube dieses Mal ist es Schweiß.

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