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Handschriftlich – eine Miniserie

Jede Handschrift ist unverwechselbar, fast wie ein Fingerabdruck.

Nur wo findet man heute noch Handschrift? Manchmal finde ich im Korb des Supermarktes einen zurückgelassenen Einkaufszettel. Manchmal schreibe ich Rezepte mit der Hand vom Bildschirm ab und trage sie in die Küche. So kann ich einen langen Rezeptschwelgtext auf das reduzieren, was ich benötige.

Dieses hier wird eine Winter-Mini-Serie über Handschrift. 

Mich faszinieren vor allem alte Handschriften. Meine Mutter schrieb manchmal in Gedanken etwas in Sütterlin auf, was für mich nicht entzifferbar war. Sie hatte in Ihrer Schulzeit zwei verschiedene Handschriften erlernt.

Schönschrift3a.jpg

Das Tagebuch meines Großvaters haben wir verschiedenen Leuten vorgelegt, um es zu entziffern. Fazit war: das war keine uns unbekannte Schrift, sondern die gute alte „Sauklaue“.  Bilder folgen.

Meine Handschrift ist im Sinne des Wortes verkommen. Völlig ungenutzt wird sie immer unleserlicher – auch für mich. Ich verwende für den gleichen Buchstaben oft zwei verschiedene Schreibweisen in einem Text.

Ich will mich üben. Das gehört mit zu diesem Projekt. Ich habe mir ein Notizbuch gekauft – mit Linien. Ohne die fühle ich mich völlig haltlos und gleite ab. Immer noch vorwärts, aber deutlich abwärts, sprich: nach rechts unten. Heute habe ich angefangen.

Und schon geht es los: Das hätte ich aber besser sagen können! Nein, hier mit „und“ beginnen, wäre schöner. Ah falsch, so wäre es genauer …

Aber da steht es nun. Neue Seite also. Von vorne.

Eva Hand12.jpg

Wie haben es die Leute hinbekommen, aus der Hand seitenlange Briefe fehlerfrei zu schreiben und ihre Gedanken auf Anhieb „spruchreif“ zu Papier zu bringen?

Weil sie mussten. Die einzige Art der Kommunikation in die Ferne für lange Zeit.

Sorgsamkeit und Achtsamkeit waren gefragt. Vorsicht mit der Tinte, Gedanken sammeln, Tonfall finden, durchformulieren, sauber zu Papier bringen …

Hand 1910.jpg

Hier ein Weihnachtsbrief eines Hamburger Vaters an seine fernen Kinder von 1910. Geschrieben in der damals übliche Kurrentschrift als deren Variante später die Sütterlinschrift entstand.

 

Eine Antwort auf „Handschriftlich – eine Miniserie Hinterlasse einen Kommentar

  1. Großartiges Projekt. Einfach mal wieder einen Brief schreiben und liebe Leute in der Ferne überraschen. Ich kenne Deine Gedanken nur zu gut, auch meine Schrift wird immer schlechter und doch ist es so wertvoll schreiben zu können, auch ist es eine Kunst für sich. Danke für Deinen schönen Beitrag!

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