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Mein armer Wald

Mein Wald beginnt nur ein paar Hundert Meter vom Haus entfernt. Vom Wohnzimmer und vom Schlafzimmer aus sehe ich ihn den Hang hinauf wachsen. Ein Zauberwald, voller Leben, schattiger Plätze, kleiner Sumpflöcher, Wildspuren und singender Vögel.

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Das war einmal. Dürre, Hitzeschäden, Borkenkäfer, Pilz, Spinner verschiedenster Arten, Mismanagement, Profitgier: Über den Zustand des deutschen Walds könnt ihr fast alles fast überall lesen.

Dies hier sind ein paar ganz persönliche Tränen, die vergossen werden. Erst wenn die Säge als riesiges chirurgisches Messer eingesetzt wird, um zu retten, was zu retten ist, kommt das ganze Ausmaß zum Vorschein.

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Was ihr hier seht, ist nur der Beginn.  Die Kapazitäten an Mensch und Maschinen reichen bei weitem nicht aus, um die Schäden zu beseitigen, die beseitigt werden müssen. Stück für Stück wird sich der Kahlschlag fortsetzen.

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Zurück bleiben nur Staub und Stümpfe.

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Auch der Blick in die Wipfel ist nicht mehr der gleiche. Zwei kranke, ein gesunder, ein zerstörter, ein lebendiger, zwei tote. So geht es immer weiter.

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Die Diskussion ist so groß wie der Schaden. Der Wald wird wieder aufgeforstet. Mit hitzeresistenten Bäumen für den Klimawandel, mit schnell wachsenden für die Holzwirtschaft, mit einheimischen für Waldläufer und Jäger, mit trockenverträglichen für die nächsten Dürren …

In meiner Lebenszeit aber werde ich viele solcher alten Bäume, wie sie hier verloren gegangen sind,  nicht wiedersehen. Und mein Herz weint, während meine Füße Staub aufwirbeln.

 

5 Antworten auf „Mein armer Wald Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich wohne auch am Rande des Wiener Waldes und da sieht ganz genauso aus.
    Unzählige tote Bäume, wo nur noch Mistel draufhängen, und nach jedem stärkeren Windstoss liegen sie über den Wegen, weil sie keine Wurzel mehr hatten, um dem standzuhalten.
    Leider aber lässt die Stadt Wien seit etwa 7-8 Jahren alles so liegen, wie es hinfällt. Die Menschen müssen die umgefallenen Bäume selbst aus dem Weg räumen, wenn sie die Wege im Wald ungestört benutzen wollen.
    Ich wohne seit 43 Jahren hier und weiss noch, wie es ausgesehen hat, als man durch dichte Baumwipfel kaum den Himmel durchsah, und man von den Wegen aus Pilze sehen konnte und Maiglöckchen im Frühling. Jetzt ist nur Gestrüpp zu sehen.
    Es ist deprimierend zusehen zu müssen wie alles kaputt geht und sich niemand mehr schert 😦

  2. Schlimm genug, dass der Wald nun nach Jahrunderten Planwirtschaft auch an den Folgen der Monokultur stirbt. Ihn dann aber auch noch des Totholzes zu berauben ist Irrsinn. Wir sollten den Wald sich selbst überlassen, dann besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, dass er sich in vielleicht 50 bis 100 Jahren wieder erholt.

      • Nicht alles, nur bestimmte Baumarten und hauptsächlich geschwächte Bäume, wenn auch nicht nur. Das Problem scheint ziemlich komplex zu sein. Die seit einigen Jahren eingesetzten Holzverarbeitungsmonster verdichten den empfindlichen Waldboden massiv. Die „Wasserblasen“ unter den Eichen z.B. können danach bei weitem nicht mehr soviel Wasser speichern wie sie benötigen. Dabei geht auch das Informationsnetz der Pilze kaputt. Am Nationalpark bayerischer Wald kann man sehr schön beobachten wie der Wald sich schon nach nur ca 45 Jahren gut erholt hat und wesentlich stabiler ist als vorher.

  3. Wie wunderbar eigentlich, so zu wohnen, am Waldrand…
    Aber jetzt…
    Wie schlimm.
    Gestern hörte ich, dass an vielen Stellen, wo Zugvögel hinkommen, die Chinesen warten mit perfekten Kühlketten, die Vögel einfangen und zur Vermarktung nach China bringen.
    Das und das und ….arg schlimm!

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