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Von Burgen und Freiheiten

Morgens um 7.00 Uhr sitze ich mit einer Tasse Milchkaffee in der Hand auf dem Balkon, blicke auf meinen Garten hinunter, dann über die roten Dächer und Felder die Hügel hinauf und denke in Muße darüber nach, wohin mich mein Morgenspaziergang führen soll.

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Leute, es ist Donnerstag! Und statt auf der A3  im Stau zu stehen oder auf der Unterlippe kauend auf meinen PC zu starren und zu überlegen, wie ich zu meinem nächsten Auftrag komme, habe ich ein Entscheidungsproblem der luxuriösen Art. Beim Schützenhaus durch die Streuobstwiesen? Am Waldkindergarten vorbei hoch in den Wald? Lieber ein Stück die Hohe Straße entlang mit Blick aufs Hofgut Marienborn? Denn Ameisenweg hinunter? Nein, heute geht es hinauf zur Ronneburg!

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Wir wohnen am Fuße einer mächtigen und mächtig alten Burg. Auf dem höchsten Hügeln errichtet von den Kurmainzern zur wehrhaften Beherrschung der umliegenden Wälder und Handelswege.

Ich packe die Hunde ein und wir fahren hoch zur Burg. Niemand begegnet uns auf dem Weg nach oben. Kurz nach 7.00 Uhr keine Touristen, Gleitschirmflieger oder Museeumsmenschen.

Ein Stück  in den Wald hinauf bis zur Grenzsteele und zurück durch Feld und Wiese zur Burgumrundung.

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Ein Gefühl von Freiheit! Obwohl ich mein Rentnerleben sanft begonnen habe, indem ich als Selbstständiger einfach immer weniger Aufträge hatte, habe ich mir nie erlaubt, damit aufzuhören, mir Sorgen zu machen. Freie Zeit war eigentlich immer Zeit, in der ich eigentlich hätte arbeiten sollen und Geld verdienen. Schlechte Gewissen Zeit!

Als ich mir erlaubt habe, damit aufzuhören mir Sorgen zu machen, schenkte ich mir Freiheit. Was für ein Luxus, hier in völliger Muße durch den Wald zu bummeln und nach immer neuen Burgperspektiven zu suchen.

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Seit dem 13. Jahrhundert haben hier oben Menschen immer wieder an dieser Burg gebaut. Brände, Kriege und Plünderungen brachten sie zum Zusammenbruch. Aber der Platz war einfach zu gut, um aufgegeben zu werden.

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Die Kornfelder am Fuße der Burg sind fast reif und die Grannen zittern elegant und filigran im leisen Morgenwind.

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Die Hunde toben durch die blumenbeklecksten Wiesen und ich bin so dankbar, dass ich hier sein darf. Was könnte besser sein?

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Sorgenfrei.

Sollte ich mir Sorgen machen? Vielleicht! Über mein sehr, sehr altes wunderbares Haus mit den viel zu vielen Treppen. Über meine zukünftig kargen Kontostände.  Über meinen Meniskusriss und der Hüfte, die ewig mit mir mault. Über den alltäglichen miepigen Kleinkram. (Kennt ihr miepig? Es ist genau das, was alltäglicher, nervender Kleinkram ist. Rechnungen bezahlen zählt z.B. dazu oder Teigschüsseln auswaschen oder Kragen bügeln. Jetzt alles klar? ) …

Mach ich. Versprochen! Mir Sorgen machen. Vielleicht nächsten Winter, mal schauen. Vielleicht geh ich auch unter die Räuber, wohne auf einer Burg und überfalle Handelsleut für meinen Unterhalt. Es gibt da so viele Möglichkeiten.

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Wir machen noch einen kleinen Abstecher zum alten Friedhof, der völlig versteckt und unbemerkt an der Abfahrtstraße liegt.

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Ich hatte die Freiheit, heute früh einen Burgspaziergang zu machen. Ich habe die Freiheit, mir keine Sorgen zu machen.

Und weil ich nicht mehr damit beschäftigt bin, habe ich freie Zeit. Für andere Gedanken. Totale Gedankenfreiheit sozusagen.

In dem Blumenkübel unter meinen Vogelhaus wächst eine Sonnenblume. Sie ist mächtig, jetzt schon an die 2 Meter hoch. Alles ist möglich. Ich denke noch mal über das Raubrittertum nach.

Einen schönen Donnerstag wünsche ich euch.

 

 

 

 

 

 

 

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