…schon wieder eine Mohnblüte. Davon gibt es tausende toller, cooler Fotos. Und nun noch welche. Entschuldigung. Ich kann an ihnen einfach nicht vorbeigehen. Jedes Jahr wieder finde ich sie so völlig überraschend. Unglaublich. Wie kann es so etwas geben. Diese Blüte ist so völlig unblumig. So ein Rot kann gar nicht natürlich sein, es muss dem Malkasten eines wilden Malers entsprungen sein. Und das Grün dazu! So grell, unharmonisch ein Rot-Grün Kontrast der „Schau mich an – und zwar sofort“ schreit. Und die Textur. Wie kann etwas lebendig sein, das so vorzeitig gealtert, zerknittert, erschöpft, so ungeheuer fragil aussieht. Zitternd in jedem Windhauch. Anziehend. Ehrfurcht einflößend. Wer mag schon eine Mohnblüte knicken? Eine Laune der Natur?
Als ich das erste Mal live ein Zebra und eine Giraffe sah, so richtig mit bebenden Flanken , zitternden Nüstern und Geruch – da dachte ich auch: das kann es gar nicht geben. Klar, Camouflage im Gras und lange Hälse für hohe Bäume – aber das hätte man rein funktional doch wohl auch anders lösen können. Und seit ein paar Wochen schaue ich durch mein Makro Objektiv und entdecke eine völlig neue Welt der bebend, zarten vielfarbigen Flügel und Panzer. Fantastische Konstruktionen mit undenkbar vielen Variationen von Beinen, Köpfen, Rüsseln, Stacheln. Bedrohlich und berückend schön. Und wie damals in Afrika denke ich: da muss es also doch jemanden geben. Irgendeinen wilden Maler eben. Einen genialen Kreateur. Einen durchgeknallten, überkreativen, völlig gelangweilten Spinner, der Abermillionen Jahre damit verbracht hat, das alles zu erfinden. Und ganz zum Schluss hat dann noch uns auf die Schiene gesetzt. Und sich gleich seine eigenen Follower erschaffen. So Typen wie mich: die nach 60 Jahren immer noch mit offenem Mund vor einer Mohnblüte stehen. Natürlich glaube ich die Geschichte nicht. Kommt mir nur hin und wieder in den Sinn.
Rot_2 Mohn_2013_3 Mohn_2013_2