Zäune, die eher einladen als aussperren. Vergessene Grenzen, von denen niemand mehr weiß, was sie einst festhalten oder schützen sollten.  Sie laden geradezu zum Überschreiten ein.

Zurückerobert von ihrer Umgebung  legen Sie dennoch Zeugnis ab von dem Bemühen, die Dinge im Zaum zu halten.

Sie sind wie die unsichtbaren Grenzen in unseren Köpfen, die uns oft hindern, wir selbst zu werden.  Einst errichtet, um uns vor der Gefahr zu schützen, der wir nicht schadlos begegnen konnten.

Zäune, aufgebaut wie Korsettstangen, um uns einen Halt zu geben in schwierigen Zeiten, in denen wir schwankend waren. Linien, die nicht überschritten werden wollten, weil dahinter das Unbekannte lauerte. Schranken, errichtet von anderen, die für uns unser Territorium abgesteckt hatten.

Aber ist die Gefahr nicht lange gebannt? Sind wir nicht stärker geworden? Das Gespenst, das uns erschreckte, nicht längst als Schabernack erkannt? Können wir heute nicht aufrecht stehen ohne das Gerüst aus Regeln, das wir einst brauchten?

Sind wir nicht frei, Grenzen zu überschreiten, weil das Unbekannte uns bereichert statt uns zu gefährden? Wird es nicht Zeit, die Zäune in unserem Kopf einzureißen, deren Fundamente sowieso lange brüchig sind?

Sollten wir nicht zulassen, dass wir berührt werden, ohne die Angst verletzt zu werden? Die Schranken öffnen? Das Muster der Gitterstäbe aus unserer Netzhaut löschen und erkennen, welche Möglichkeiten auf der anderen Seite des Zaunes warten?

Manchmal braucht es nur einen Tritt gegen den morschen Pfahl, einen Stoß, der das alte Tor aus den Angeln hebt. Manchmal bedeutet es einen Griff mit bloßer Hand in den Stacheldraht. Ist es das wert?

Was immer wir finden, es kann niemals eine Enttäuschung sein. Denn die Grenzen in uns, sind die einzigen, die wir immer überschreiten können, und immer wieder. Welche Zäune und Schranken unser Leben auch sonst bestimmen.