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Wildlife

Morgens ist der Tag noch so voller Versprechen, die Luft – noch bedeckt mit einem Schlaflaken – gibt gerade Stück für Stück die schwülstige Komplexität der Welt wieder frei. Flach wie auf einer Leinwand grast das Reh keine fünfzig Meter von uns auf der Anhöhe vor den raschelnden Pappeln. Die Hunde halten ein, ebenso wie ich. Es hebt den Kopf, grüßt uns und äst in verschlafener Zeitlupe weiter. Wir wenden ihm sacht den Rücken.

Und wandern über die Apfelwiese. Der Apfel,  den ich aufhebe, um ihn für Ben zu werfen, legt einen kleinen Ameisenhügel frei. Die Kleinen krabbeln zu Dutzenden meinen Arm hinauf – schneller als ich reagieren kann. Und die beißen! Nun ist es aber gut.  Aber sie sind nicht die einzigen, die es auf mich abgesehen haben. Mehrfach habe ich hier oben am Wald ihre Bisse zu spüren bekommen: zarte Hautflügler mit feinem, licht gestreiftem Hinterleib. Die lieben mích!  Die Stiche geben riesige heiße Placken, die tagelang immer wieder kommen.

Im Frühjahr habe ich an den Feldrändern Arme voll  Wildblumensträuße gepflückt und sie die den grob weiß getünchte Tonkrug auf dem Balkon gepackt.  Prachtvoll! Heute sind die Kornfelder leer und die Strohballen liegen herum wie das Spielzeug von Riesenbabys. Die Hunde rennen über die Stoppelfelder aus purer Lust an der freien Fläche.

Die wunderschönen riesigen Klopfer, die zurzeit ein tolle Fellfarbe haben und ihre Feste im Korn gefeiert haben, hat die Erntemaschine natürlich vertrieben. Dafür kreuzt weiter oben am Weg ein Fuchs aus dem Mais. Unbesorgt stöbert er den Weg entlang auf uns zu. Ich rufe die Hunde und wir wechseln die Richtung. Wir wollen hier niemanden stören. Unser Bussard, der Morgen für Morgen an derselben Stelle auf den Hochspannungsseilen auf uns wartet, hat seinen Beobachtungsposten gegen einen Platz auf dem Strohballen getauscht. Als er auffliegt, segelt eine perfekte Feder direkt vor meinen Füßen nieder.

Neulich sah ich im Fernsehen eine Dokumentation über ein Baby, das in New York aufwuchs. Seine Vorstellung von Natur wird sicherlich einmal daraus bestehen, dass man alles, was man im Central Park aus Versehen angefasst hat, sofort mit einem feuchten Pflegetuch wieder entfernen muss.

Wir leben gerne hier draußen. Wo jeder Morgenspaziergang mit offenen Augen zu einem Abenteuer wird. Der Waldkindergarten gerade über die Straße feiert Natur bis zum Exzess. Bis hin zum Pinkel- und Kaka-Baum. Ich bin keine Mutter.  Mögen die sich Gedanken über gute Absichten und ihre Umsetzung machen.

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